Text und Bilder von Roland Meisl, Friedberg/Bayern

Den Bau der Anlage habe ich damit begonnen, dass ich auf der dafür vorgesehenen Gesamtfläche eine dicke Schicht Splittkies ausgebracht habe, um bei starken Regenfällen eine Überschwemmung auszuschließen. Der Boden und ein Teil der Seitenwand des Schutzhauses bestehen aus Styrodur, um in den Übergangszeiten im Frühjahr und im Herbst die Temperatur möglichst lange hoch halten zu können. Dieser Korpus wurde dann außen mit einem dünnen Drahtgeflecht umspannt und innen gefliest. Um zu vermeiden, dass sich unsere Schildkröten Verbrennungen durch die im Boden eingebauten Wärmematten zuziehen, liegen diese zwischen zwei Fliesenschichten. Diese Fliesen speichern gleichzeitig auch die während des Tages aufgenommene Sonnenwärme.

Meisl1Bild 1: Gesamtaufnahme meines Schildkrötengeheges mit darin integriertem Schutzhaus. Der Eingang zum Haus liegt höher als das Freigehege; so vermeidet man bei starken Regenfällen Wasser im Haus.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Danach ging es mit dem Holzaufbau weiter, wobei ich das Holz außen teils mit Stegplatten, teils mit GlasMeisl2 verkleidet habe. Ein Überhang des Aufbaues zum Bodenkorpus war mir wichtig, damit kein Wasser in das Innere gelangen kann. Eine große Stegplatte bildet das Dach (Bild 2), das zugleich einen Regenschutz darstellt und die Wärme gut speichert.

 

Bild 2: Draufsicht auf das Schildkrötenhaus. Die Deckel-Stegplatte ragt an drei Seiten über. An der vierten, niedrigeren Seite wird das Regenwasser über eine Dachrinne abgeleitet.

 

 

 

 

Meisl3Bild 3: Blick ins Innere des Hauses. Man erkennt den Reflektor der Wärmelampe und den UV-Strahler rechts daneben. Beide Strahler schalten sich ein, wenn es draußen kalt ist. Benötige ich die UV-Lampe nicht, also beispielsweise nachts, kann ich sie mühelos ausstecken.

 

 

 

 

 

 

 

Nun noch kurz zur Technik des Schildkrötenhauses. Sie besteht aus zwei handelsüblichen Wärmematten, einem Wärmestrahler und einer UV-Bestrahlungslampe mit derzeit je 60 W Leistung (Bild 3). Den UV-Strahler benötige ich, weil ich für das Haus kein Alltop-Material verwendet habe.
Sollte der 60-W-Wärmestrahler zur Erwärmung des Hausinneren nicht ausreichen, kann ich ihn gegen einen mit entsprechend höherer Leistungsaufnahme austauschen.
Das Ein- und Ausschalten übernimmt ein Thermostat, den ich auf Außentemperatur einstellen kann (Bild 4).

 

Meisl4Bild 4: Auf dieser Aufnahme ist der Sicherungskasten mit FI-Schalter und der Thermostat zu sehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Momentan, d.h. Ende März 2016, schaltet die Anlage ein, sobald die Außentemperatur unter 18 °C sinkt. In der jetzigen Übergangszeit ist im Haus tagsüber bei Sonnenschein immer eine Temperatur zwischen 24 und 26 °C. Wenn es im Sommer im Inneren zu heiß wird, wird der Deckel geöffnet. Da sich unsere vier Schildkröten das ganze (Schildkröten-)Jahr über in diesem Gehege aufhalten, habe ich zu deren Beobachtung eine Kamera installiert. Damit kann ich die Temperatur über mein Smartphone beobachten (Bild 5 und 6).

 

Bild 5: Diese Kamera dient der Beobachtung der Tiere, vor allem aber der Übertragung der ThermometeranzeigeMeisl5 auf mein Smartphone. Im Schutzhaus befindet sich noch eine zweite Kamera, um wirklich immer das gesamte Innere überwachen zu können.

 

 

Meisl6Bild 6: Beispiel für ein Smartphone-Bild aus dem Inneren des Schildkrötenhauses. Die Temperatur beträgt in diesem Moment 17 °C, die Außentemperatur war gleichzeitig 6 °C. Zum Zeitpunkt der Aufnahme war nur die Wärmelampe angeschaltet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zu den Abmessungen: das Schildkrötenhaus ist 80 cm breit und 1,5 m lang sowie 50 bzw. 70 cm hoch. Das gesamte Schildkrötengehege ist 2 m breit und 2,5 m lang (Bild 1). Ich pflege eine gemischt griechische-maurische Schildkrötengruppe von jeweils zwei maurischen und zwei griechischen Schildkröten aus der Zucht von Horst Köhler. Drei Nachzuchten sind im Jahr 2011 geschlüpft, eine maurische Schildkröte im Jahr 2013.
An Materialkosten für den Bau der gesamten Anlage fielen etwa € 500 an.

Da wir in unserer Wohngegend ab und zu Marder beobachten, überlege ich zurzeit noch, ob ich über das Gehege einen Schutz anbringen soll oder nicht. An und für sich würde ich ich das Gehege nach oben lieber immer offen lassen, was natürlich bedeutet, dass die jetzt noch relativ kleinen Tiere im Sommer auch mal im Freien anstatt in der Schutzhütte schlafen.
Ich werde deshalb meine Anlage genau auf einen möglichen Marderbesuch beobachten und gegebenenfalls entsprechend reagieren, z.B. auch durch Verschließen der Zugangsöffnung des Schutzhauses.

 

Dieser Beitrag wurde am 10. April 2016 online gestellt.

 

von Horst Köhler, Friedberg


Jetzt, in der zweiten Februarhälfte, wird es Zeit, an die Auswinterung von jungen Landschildkröten zu denken; dies gilt insbesondere für Nachzuchten aus den beiden letzten Jahren 2013 und 2014. Während ausgewachsene Landschildkröten durchaus fünf Monate lang in der Winterruhe (Hibernation) verbleiben können, reichen bei ein- bis zweijährigen Nachzuchten sechs bis acht Wochen.

Ich überwinterte in dem langsam zu Ende gehenden Winter meine zehn noch nicht abgegebenen (telweise aber bereits für das Frühjahr reservierten) Jungtiere in einem unbeheizten Kellerraum in einem Karton, wobei die etwa 20 cm hohe Substratschicht mit einer etwa 10-15 cm hohen Schicht nicht verrottender Buchenlaubblätter abgedeckt war. Bei ständig geöffnetem Kellerfenster schwankten die Raumtemperaturen in den vergangenen Wochen zwischen 6 und 12 °C. Diese Schwankungen halte ich keinesfalls für schädlich, sondern eher für einen Vorteil, vor allem gegenüber der Überwinterung im Kühlschrank. In den südlichen natürlichen Verbreitungsgebieten der Europäischen Landschildkröten kann es an winterlichen Sonnentagen an geschützten, sonnenbeschienenen Stellen durchaus mal 15 °C oder sogar noch wärmer werden. Manche Schildkröten wachen dann kurzzeitig auf, erwärmen sich an der Sonne, trinken etwas und ziehen sich nach ein oder zwei Stunden wieder in ihre geschützten Winterhöhlen bzw. -Verstecke zurück.
Die einzige Maßnahme, die ich während der gesamten Hibernation durchführte, war ein wöchentliches Besprühen der Blätter mit einem Blumen-Pumpsprüher. Noch nie in meiner Praxis als Schildkrötenzüchter habe ich Jungtiere oder auch adudlte Tiere während der Hibernation kontrolliert oder gar gewogen - und damit ihre Ruhe gestört.

Nach Ablauf von sieben Wochen ab dem Tag der Einwinterung kamen die Kleinen für zwei Tage in ihrem Karton in einen anderen, wärmeren Kellerraum, in dem die Temperatur im Winter auch nachts nie unter 12 °C abfällt. Danach stellte ich sie für weitere zwei Tage in unseren Hausflur, in dem es typischerweise etwa 15 °C warm ist. Zu Beginn des 5. Tags, ein erstes Rascheln setzte nunmehr ein, kam der Karton mit den Tieren in unser Wohnzimmer; dort liegen die Temperaturen tagsüber bei 22-23 °C, nachts bei 19 °C.

24 Stunden später saß bereits eine kleine Schildkröte neugierig ganz oben auf der Blätterschicht, die ich nun vorsichtig entfernte. Nun wurde es spannend, aber alle übrigen Tiere hatten sich bereits ganz aus dem Substrat emporgegraben - so dass ich nicht lange nach ihnen suchen musste. Sie wurden sofort gewogen und das Gewicht mit dem unmittelbar vor der Hibernation gemessenen verglichen. Ergebnis: die Kleinen hatten zwischen 5 und 16 % ihres Gewichts vom Tag der Einwinterung abgenommen. Danach konnten sie in einem 15-minütigen Bad im lauwarmem Wasser Flüssigkeit aufnehmen und ihre Körpertemperatur weiter erhöhen. Schließlich setzte ich sie in ihr oben offenes "Terrarium", bei mir ein Katzen-WC - zunächst für einige Stunden bei noch nicht eingeschalteter Bestrahlung / Beleuchtung. 

Manchem Leser dieses Artikels mag eine Gewichtsabnahme bei Jungtieren von rund 15 %  in nur 7 Wochen Hibernation als zu viel erscheinen, sprechen dann gleich von einem regelrechten Alarmsignal und würden am liebsten einen Tierarzt aufsuchen. Doch es gilt zu bedenken, dass dies bei Schildkröten-Babys im Schlupfjahr einem Gewichtsverlust von weniger als fünf Gramm entspricht, z.B. von  36 g bei der Einwinterung auf 31 g bei der Auswinterung. Bei dem gezeigten Appetit meiner Nachzuchten ist dies schnell wieder aufgeholt. Außerdem ist das Gewicht der Kleinen auch während des Schildkrötenjahres Schwankungen unterworfen: nicht selten wiegen sie an einem Tag plötzlich 2 g weniger als noch am Vortrag *).
Eingegangen ist mir jedenfalls bei der Überwinterung von Landschildkröten noch kein einziges Tier.

Im Gegensatz dazu bedeutet ein Gewichtsverlust von 15 % bei einer adulten Landschildkröte von beispielsweise 2 kg Gewicht während der Hibernation immerhin 300 g - verursacht durch einen Flüssigkeitsverlust infolge zu trockener Haltung.

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Bild 1: Diese Aufnahme von meiner Zehnergruppe Schildkrötennachzuchten aus 2013/14 entstand nur wenige Stunden nach dem erstmaligen Einschalten der Beleuchtung nach beendeter Hibernation. Die Tiere zeigten bis auf zwei, die erst am Tag danach fraßen, auf Anhieb einen guten Appetit. Die Griechische Landschildkröte mit der Rückennummer 11. ist eine Nachzucht aus 2013, die übrigen sind Maurische und Griechische Landschildkröten aus dem letzten Jahr 2014.

Schon kurze Zeit nachdem am anderen Morgen um 9 Uhr per Zeitschaltuhr die Bestrahlungslampe anging, saßen alle zehn junge Schildkröten direkt unter dem Strahler und genossen sichtlich die Wärme. Einige Stunden später erhielten sie ihr erstes Futter im neuen Schildkrötenjahr, das sie gerne annahmen, siehe Bild 1. Dass die meisten Jungtiere sofort nach der Hibernation zu fressen beginnen, hat sicherlich mit meiner langjährigen Praxis zu tun, die Kleinen vor ihrer Einwinterung nur ein einziges Mal zu baden und nicht den üblichen Empfehlungen zum mehrmaligen Baden zum Zwecke der fast völligen Darmentleerung zu folgen. Wie sollen die Tiere in diesem Fall nach ihrer Hibernation rasch ihren Kreislauf hochfahren, Appetit zeigen und aufgenommenes Futter verdauen können, wenn im Verdauungstrakt die zum Abbau des Futters notwendigen Bakterienpopulationen fehlen oder geschädigt sind? 

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Bild 2: Erster Ausflug "ins Freie" am 20. Februar 2015, dem dritten Tag der neuen Schildkröten-Saison. Die wichtige natürliche Sonnenbestrahlung hatte den Kleinen lange gefehlt. Beide Fotos stammen vom Autor.

Bereits am dritten Tag, in unserer Gegend trotz Rest-Schnees in der Natur ein wunderbarer sonniger Wintertag, durften die frisch erwachten Landschildkröten-Babys zum ersten Mal seit mehreren Monaten für eine Stunde auf dem Terrassentisch die Sonne genießen, Bild 2. Keine Angst: im Schatten zeigte das Thermometer zwar noch Temperaturen um Null Grad an, doch bei den kleinen Schildkröten in ihrer an der Sonne stehenden Hälterungsschale war es über 20 °C warm.

*) Nachtrag von Mitte März 2015:
Nur drei Wochen nach dem Auswintern hatten meine Schildkröten-Nachzuchten aus 2014 nicht nur wieder ihr Gewicht vom Einwinterungstag am 23.12.2014 erreicht, sondern es sogar deutlich übertroffen. Durchschnittlich wogen meine Griechischen Landschildkröten-Babys am 23.12.2014 (Tag der Einwinterung) 32,25 g, am 8.3.2015 im Schnitt 42 g (Zunahme = 30 % trotz Winterruhe und dem damit verbundenen Gewichtsverlust). Die Maurischen Landschildkröten nahmen in der gleichen Zeit von durchschnittlich 20,6 g (bei der Einwinterung) auf 27,25 g (am 8.3.2015) zu (Zunahme = 32 %). Durch Verabreichnung von mehr ballaststoffreicherem Futter und Reduzierung der täglichen Futtergaben musste ich dem raschen Wachstum sogar "gegensteuern".

 

Literatur:
Köhler Horst: Vom Ei zum robusten Jungtier - Aufzucht europäischer Landschildköten-Babys". Schildi-Verlag Augsburg
Nähere Infos siehe Schildi-Buch dieser Website. Zu bestellen am Schnellsten per Email direkt beim Verlag bzw. dem Autor (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) ober über den Buchhandel (ISBN 978-3-00-023839-0)



Dieser Beitrag wurde am 20. Februar 2015 online gestellt.

 

von Ute Dörr, Beilstein


Die beiden Artikel von Herrn Köhler in dieser Website über das geringe Wachstum, oder sollte man eher sagen,  Null-Wachstum, bei doch relativ vielen von ihm beobachteten und in Pflege genommenen Schlüpflingen und Jungtieren der Spornschildkröte von mehreren deutschen Züchtern haben mich einerseits schockiert, andererseits aber auch beruhigt. Denn ich habe mit „Tusnelda“ ebenfalls eine junge Spornschildkröte, die für die Art viel zu langsam wächst. Bisher habe ich irgendwie immer mir selbst die Schuld für dieses Mini-Wachstum gegeben, doch nun bin ich sehr erleichtert darüber, dass dem wohl nicht so ist. Und dass meine „Tusnelda“ an Gewicht zulegt, wenn auch nur sehr langsam.

 

Doerr Bild1Tusnelda Mõrz 2014 2

Bild 1: Immer noch ein Baby: "Tusnelda" in einer aktuellen Aufnahme von März 2014 im Alter von etwa 1 1/2 Jahren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Unsere „Nelda“ war im August 2012 bei einem Züchter in Bayern aus dem Ei geschlüpft; sie kam im Januar 2013 zu uns. Damals wog sie 47 g. Sie war fit und munter, doch von Anfang an sehr wählerisch mit dem Fressen. Heu oder getrockneten Löwenzahl oder ähnliches Futter ignorierte sie vollkommen. Ackersalat nahm sie gerne, ebenso Gurke oder Zucchini. Obwohl sie eigentlich für ihre Größe immer gut gefressen hat, stagnierte ihr Gewicht bis April 2013 bei 51 g, siehe Gewichtstabelle. Danach wurde sie stetig und – aber nach wie vor sehr langsam - schwerer und hat jetzt, im März 2014, ein Gewicht von 70 g erreicht. Sie hat damit, seit sie bei uns ist, 23 g zugenommen, was immerhin fast 50 % Gewichtszunahme entspricht (Bild 1).

Trotzdem ist unsere Spornschildkröte ein ausgesprochenes Leichtgewicht, denn nach den Aussagen von Herrn Köhler wiegen „normale“ Spornis im Alter von ca. 1 ½ Jahren 300 – 600 g (je nach Geschlecht). Doch wenigstens erleiden wir keine jener Rückschläge wie Gewichtsabnahme, Fressverweigerung, extreme Lethargie usw., von denen Horst Köhler in seinen beiden Beiträgen weiter unten in dieser Rubrik berichtet.

Die Gewichtsentwicklung von „Tusnelda“

Monat

Gewicht in g

Januar 2013

47

Februar 2013

51

März 2013

51

April 2013

51

Mai 2013

53

Juni 2013

53

Juli 2013

54

August 2013

57

September 2013

57

Oktober 2013

63

November 2013

63

Dezember 2013

64

Januar 2014

67

Februar 2014

67

März 2014

70


„Tusneldas“ Bauchpanzer ist selbst heute immer noch etwas weich. Außerdem hat sie öfters Hautprobleme; die Haut ist oft schuppig. Wir baden sie deswegen mehr oder weniger regelmäßig in einer septischen Lösung, die uns die Tierärztin mitgegeben hat. Auffällig ist ferner, dass sie zu Ödemen neigt; diese treten in unregelmäßigen Abständen ohne vorherige Anzeichen und ohne dass wir die Ernährung bzw. die Pflegepraxis verändert haben, auf.

Über mehrere Monate hinweg waren wir im Sommer und Herbst 2013 mit „Tusnelda“ in tierärztlicher Behandlung; in dieser Zeit bekam sie regelmäßig Calcium und Vitamin D3 verabreicht. Doch dies führte nicht zur erhofften schnelleren Gewichtszunahme. Die Tierärztin kam dann letztlich zu dem Schluss, dass eine Wachstumsstörung vorliegen muss. Solange die Schildkröte aber frisst, nicht abnimmt und sich munter gibt, sollen wir damit zufrieden sein und nichts weiter unternehmen. Vermutlich dürfte sie allerdings kein hohes Alter erreichen, so die Tierärztin weiter. Damit haben wir uns abgefunden.

„Tusnelda“ lebt in der kalten Jahreszeit und, wenn es für draußen noch zu kühl ist, in einem Terrarium mit der Größe 120 x 40 cm. Doch wenn jetzt im März die Sonne scheint, kommt sie stundenweise ins Freie.

Als Bodengrund für mein Terrarium habe ich mich für Erde, Sand und Steine entschieden; es gibt im Terrarium zwei Höhlen und eine Schale mit Wasser. Das Terrarium wird täglich besprüht. Ich achte stets darauf, dass ein Teil des Substrats feucht ist, denn ich möchte eine Höckerbildung vermeiden. Im Mittel beträgt die Luftfeuchtigkeit etwa 60 %, nach dem Sprühen entsprechend mehr. „Nelda“ ist munter und morgens immer die erste, die wach wird. Zuerst sonnt sie sich, um dann gut zu fressen. Sie buddelt sehr gerne und klettert oft und gerne auch über die Steine.

Als Wärmelampe habe ich im Terrarium eine Bright Sun mit 70 Watt, außerdem einen UVB-10.0-Strahler von ExoTerra.

 

Seit Herbst des letzten Jahres haben wir „Nelda“ mit zwei kleinen Pantherschildkröten vergesellschaftet (Bild 2). Diese gedeihen hervorragend, so dass die Pflegebedingungen stimmen dürften. Die drei Schildkröten harmonieren gut. Obwohl Spornschildkröten wesentlich größer und schwerer als Pantherschildkröten werden, haben die Panther „Nelda“ im Größenwachstum bereits jetzt überholt. Doch eine Zeit lang wird es sicher noch gehen.

Doerr Bild2Bild 2: „Tusnelda“ mit „Merle“ (rechts oben) , eine meiner beiden kleinen Pantherschildkröten. Beide Aufnahmen stammen von der Autorin.
















Ich hoffe, dass „Nelda“ noch recht lange munter bleibt, denn sie ist mir sehr ans Herz gewachsen.

Dieser Artikel wurde am 30. März 2014 online gestellt.

 

 

Außergewöhnlich negative Erfahrungen mit Spornschildkröten-Schlüpflingen
2. Teil


von Horst Köhler, Friedberg

 

Inhalt Teil 2: Zusammenfassung von Teil 1; Neukauf von fünf weiteren Spornschildkröten-Nachzuchten; Leider wenig hilfreich: Sektionsergebnisse der Geschwistertiere Nr. 2 und 4; Kampf um Nr. 5 und 6; Blutuntersuchung: ja oder nein? Erfahrungen und Aussagen anderer Spornschildkröten-Halter; Was Spornschildkröten-Babys wiegen sollten; Was beim Kauf zu beachten ist.

Zusammenfassung des 1. Teils
Etwa ein Jahr ist es nunmehr her, dass der 1. Teil dieses ungewöhnlichen zweiteiligen Berichtes online gestellt wurde. Er steht nach wie vor in voller Länge weiter unten in der gleichen Rubrik zum Nachlesen zur Verfügung. Ich empfehle dies, weil ich im 2. Teil längere Wiederholungen vermeiden möchte.

Zur Erinnerung: mein Bekannter, zwar Schildkröten-Neueinsteiger, aber im Umgang mit diesen Reptilien deswegen nicht unerfahren, weil er seit vielen Jahren die Schildkrötenpflege während meiner Abwesenheiten übernimmt und auch schon mal Gelege ausgräbt, kaufte sich im März 2011 von einem Lieferanten aus NRW vier kleine Spornschildkröten-Babys (Geochelone sulcata; hier mit Nr. 1-4 bezeichnet), die bei ihrer Ankunft zwischen 41 und 46 g wogen; geschlüpft waren sie laut "Nachweis-Papier" im Februar 2011. Als sie schon zwei Wochen später trotz richtiger (von mir kontrollierter) Haltung schlecht fraßen und kaum merkbar an Gewicht zulegten bzw. sogar abnahmen, legte sich der Schildkrötenfreund Anfang Juli 2011 auf der Augsburger Reptilienbörse noch zwei weitere Jungtiere (Nr. 5 und 6) eines anderen Züchters zu, die mit Schlupfdatum Dezember 2010 etwas älter und auch schwerer als Nr. 1-4 waren.

Von diesen sechs Tieren gingen Nr. 1-4 trotz der Bemühungen der mehrmals in Anspruch genommenen reptilienkundigen Tierärztin und einer wochenlangen Intensivpflege durch mich ein bzw. mussten eingeschläfert werden, das letzte im Januar 2012. Der erwähnte Verkäufer aus NRW erstattete dem Besitzer immerhin den vollen Kaufpreis zurück und lieferte als Entschädigung für die hohen Tierarzt- und Medikamentenkosten und die ständige große Enttäuschung im September 2011 kostenlos noch zwei Spornschildkröten-Babys als Ersatz (Nr. 7 und 8). Diese beiden Tiere sollen - so versicherte der Verkäufer – angeblich von einem anderen Züchter als die Schildkröten-Jungtiere Nr. 1-4 stammen.

Diese acht Schlüpflinge von drei verschiedenen Züchtern wurden vorübergehend in einem gemeinsamen großen Gehege gehalten, und in der warmen Jahreszeit im Garten-Freigehege. Die Infektionsgefahr war somit schon groß, doch der Besitzer ging davon aus, dass ihm nur gesunde Tiere verkauft wurden. Wie sich später herausstellen sollte, war diese zeitweise Gemeinschaftshaltung allerdings nicht die Hauptursache des Problems.

Neukauf von fünf weiteren Spornschildkröten-Nachzuchten
Als im Januar 2012 mit Nr. 2 auch das letzte der ersten vier Jungtiere im Alter von nur 11 Monaten verstorben war, übernahm ich Nr. 5 und 6 in Dauer-Intensivpflege; es handelt sich bei ihnen um die beiden Schildkröten, über die ich in diesem Artikel ausführlicher berichte. Sie befinden sich auch heute noch bei mir; dies sei an dieser Stelle schon mal verraten.

Doch lange hielt es mein Bekannter mit den zwei ihm verbliebenen, weiterhin schlecht fressenden Spornschildkröten-Babys Nr. 7 und 8 nicht aus. Er erwarb im April 2012 auf der Reptilienbörse in Ulm fünf weitere Spornschildkröten-Babys, in der Hoffnung, dass er diesmal mehr Glück haben würde und dass die neuen Tiere seine Nr. 7 und 8 zu vermehrter Futteraufnahme bewegen würden. Doch eines der fünf neuen Tiere kränkelte schon nach zwei Wochen ohne ersichtlichen Grund. Anfang Mai 2012 stellte ich es deshalb der Tierärztin vor. Doch das Tier überstand die Behandlung leider nicht: einen Tag später saß es tot im Terrarium.
Der Besitzer hatte nun verständlicherweise endgültig genug von der Pflege von Spornschildkröten-Babys und gab die vier übrigen Jungtiere ihrem Vorbesitzer gegen Erstattung des Kaufpreises zurück.

Leid2 Bild1

Bild 1: Dass Wachstumsprobleme bei Spornschildkröten kein Einzelfall sind, zeigt dieses Bild aus dem Gehege eines anderen Schildkrötenfreundes. Die kleine Schildkröte neben der großen, geschätzt etwa 25 kg schweren Spornschildkröte ist sechs Jahre alt, bringt aber nur knapp 600 g auf die Waage. Nach Aussage ihres Besitzers ist sie jedoch vital, hat Appetit und zeigt keine äußerlichen Krankheitssymptome.

Leider wenig hilfreich: Sektionsergebnisse der Geschwistertiere Nr. 2 und 4
Wie im 1. Teil des Artikels ausgeführt ist, wurde die am 7. September 2011 eingeschläferte Schildkröte Nr. 3 (siehe Bild 2 unten) noch am gleichen Tag an das Untersuchungsteam Dr. Silvia Blahak (Detmold) geschickt. Doch erstaunlicherweise wurde außer der ohnehin bekannten Diagnose „Rachitis“ nichts Ungewöhnliches gefunden. Daher war ich froh, dass sich nach dem Tod von Tier Nr. 4 (verstorben am 18.12.2011) und Nr. 2 (verstorben am 14.1.2012 bei einem Gewicht von 47 g) ein bekannter Schildkröten-Fachmann, dem ein modernes Untersuchungs-Equipment wie z.B. ein Rasterelektronenmikroskop zur Verfügung steht, bereit erklärte, die beiden eingegangenen Schildkröten gründlicher zu untersuchen. Mit ihm führte ich über die kümmernden Tiere schon seit geraumer Zeit einen Email-Austausch und telefonierte mehrmals; es war sogar eine gemeinsame Veröffentlichung geplant.

Bei der Sektion von Nr. 4 stellte er eine deutlich vergrößerte und verstopfte Harnblase fest: die Schildkröte konnte also kaum noch Flüssigkeit ausscheiden. Ferner zeigte sich eine toxisch veränderte Leber und eine überdehnte Lunge. Magen und Darm waren ohne Befund und mit etwas Inhalt gefüllt. Die Calciumaufnahme kann also nicht gestört gewesen sein. Weder bei der Schildkröte Nr. 2 noch bei Nr. 4 wurden Parasiten nachgewiesen: die im Juni 2011 durchgeführte zweimalige Eingabe von Panacur (Wirksubstanz: Fenbendazol) gegen die damals gefundenen Oxyuren (Befallstärke 3+) hatte also gewirkt, die ohnehin geschwächten Tiere aber vermutlich auch stark belastet. Bei Schildkröte Nr. 2 stellte der Untersucher eine Calcinose fest (übermäßige Ablagerung von Calciumsalzen im Gewebe). Hinweise auf eine Herpes-Infektion fanden sich nicht.

Leid2 Bild2Bild 2: Spornschildkröten-Baby 3, hier am 3.4.2011, wenige Tag nach dem Kauf der vier Geschwistertiere Nr. 1-4 aufgenommen. Das Jungtier wog bei Erhalt 44 g, nahm bis Anfang Juni 2011 zwar um 6 g zu, doch dann stagnierte das Gewicht des immer schwächer werdenden Tiers bei 48 g. Am 7. September 2011 musste es im Alter von 7 Monaten eingeschläfert werden.







Ob und was nun der Grund für die Mangelsituation und letztendlich den Tod der stark geschwächten vier Tiere war, wollte der Experte durch weitergehende Untersuchungen ermitteln und versprach, mir die von ihm gemachten Spezialfotos der veränderten Organe mit einem ausführlichen schriftlichen Bericht zur Verfügung zu stellen. Doch trotz mehrerer Rückfragen meldete sich der Experte mehrere Monate lang nicht. Erst Ende November 2012, ein dreiviertel Jahr nach Überlassung der beiden toten Tiere Nr. 2 und 4, kam auf meine erneute Nachfrage schließlich ein denkbar knappes 5-zeiliges Endergebnis mit einem einzelnen Foto. Ich darf aber, so hieß es, weder das Foto verbreiten, noch vom Mini-Befund zitieren.

Daher an dieser Stelle nur so viel: beide Tiere, Nr. 2 und Nr. 4, hatten an der Speiseröhre (Ösophagus) einen 4 mm großen „Defekt“, der die Todesursache gewesen sein könnte. Ich vermute, dass diese "Veränderung" die Folge eines Magengeschwürs im Zusammenhang mit einer Darmentzündung war. Doch auf meine Rückfragen ging der Fachmann nicht ein; er brach den Kontakt zu mir ohne Grund ganz ab. Schade, denn so kann ich jenen Lesern dieses Artikels, die ebenfalls Spornschildkröten-Jungtiere mit Wachstumsproblemen besitzen, nicht wie ursprünglich geplant Sektionsergebnisse und deren Folgerungen präsentieren.

Enttäuschend für mich ist, dass letztlich bei drei durch ausgesprochene Fachleute untersuchte Schildkröten, die von mir zusammen mit den toten Tieren jeweils eine ausführliche Dokumentation erhielten, nichts Verwertbares im Hinblick auf die weitere Pflege und Behandlung von Nr. 5 und 6 herauskam.
Auch meine Tierärztin hätte sich sehr für verwertbarere Ergebnisse interessiert.

Kampf um Nr. 5 und 6
Mitte März 2012 übernahm ich die Spornschildkröten-Babys Nr. 5 (damals 69 g schwer) und Nr. 6 (100 g) schließlich endgültig; ihr bisheriger Besitzer war wohl froh, die kümmernden Tiere nicht mehr ständig sehen zu müssen. Nachdem die beiden Tiere jedoch auch bei mir kaum Futter trotz eines großen Angebots an diversen Futterpflanzen (siehe unten) zu sich nahmen, übergab ich sie Ende März 2012 für fünf Tage unserer Tierärztin zur Zwangsernährung. Als ich sie wieder abholte, hatten sie zwar je um 2 g zugenommen, fraßen aber immer noch nicht von selbst; ich war schon froh, dass wenigstens die größere ab und zu in ein Blatt biss. In Absprache mit der Tierärztin badete ich beide jeden zweiten Tag etwa 10 Minuten lang in verdünntem schwarzen Tee.

Mir und vor allem den beiden Schildkröten wollte ich eine weitere regelmäßige Zwangsernährung nicht zumuten. So hieß es abwarten. Mit dem Futterangebot experimentierte ich viel, wohl wissend dass nicht alles davon voll artgerecht ist. Doch es ging mir darum, dass die Tiere überhaupt etwas zu sich nehmen und nicht verhungern. Ich bot, nacheinander, außer den üblichen Futterpflanzen aus Wiese, Acker und unserem Garten folgendes in kleinen Portionen an:
♦  Diverse Salate (vorzugsweise in der kalten Jahreszeit)
♦  Gurkenstückchen
♦  Fein geschnittene Opuntienblätter
♦  Disteln
♦  Erd- und Himbeere
♦  Kirsche
♦  Rote und gelbe Melone
♦  Tomate
♦  Birne
♦  Orange
♦  Apfel
♦  Bohnen, Bohnenkerne
♦  Kriechendes Schönpolster (Golliwoog, Callisia repens): enthält u.a. 5,5 g/kg Rohfaser und 7,17 g/kg Rohasche
♦  Dorswal Baby-Landschildkrötenfutter: enthält u.a. 60 % Stärke.

Jede Futterportion wurde mit etwas
♦  Pre Alpin Testudo Baby-Pulver (enthält u.a. 26,4 % Rohfaser),
♦  Spirulina-Pulver,
♦  Nekton MSA (enthält u.a. 10.000 IE Vit. D3/kg, 3 g/kg Eisen, 1,26 g/kg Zink, 23,7 % Calcium und 18 % Phosphor) und
♦  zerstoßenen reptil raffy Mineral-Sticks von sera (enthält u.a. 30,3 % Rohprotein und 30.000 IU Vit. A/kg)
überstreut. Das rote raffy-Pulver sollte die beiden kleinen Schildkröten zur besseren Futteraufnahme animieren und den Grundbedarf an Mineralien sichern, siehe Teil 1 des Artikels. Die Tierärztin äußerte zwar Bedenken wegen des erhöhten Vitamin A-Gehalts der reptil raffy-Sticks (= 30.000 IU Vit A/kg), doch sehe ich darin aus folgendem Grund keine Gefahr:

Bild 3: Wenn eine 100 g schwere Landschildkröte diese Menge an reptil raffy Mineral (die Waage zeigt 5 g an) Leid2 Bild3in einer Woche frisst, wäre ihr Bedarf an Vitamin A bereits voll gedeckt. Doch die beiden Sorgen-Babys Nr. 5 und 6 nahmen höchstens ein Drittel dieser Menge zu sich, so dass selbst durch die zusätzliche geringe Vitamin A-Aufnahme über das Wenige an gefressenen Futterpflanzen keine Überversorgung bestand.




Der wöchentliche Bedarf von Landschildkröten an Vitamin A beträgt etwa 1.500 IE/kg Körpermasse [Dennert, 2001], das normalerweise mit dem frischen Grünfutter aufgenommen wird. Bei einer 100 g schweren Schildkröte wären dies 150 IE je Woche. Reptil raffy Mineral enthält wie erwähnt 30.000 IE/kg Futter, d.h. wenn der Vitamin A-Bedarf allein durch die Sticks gedeckt werden müsste, müsste eine 100 g schwere Schildkröte davon 5 g je Woche zu sich nehmen (Bild 3). Tatsächlich hat sie aber nur einen kleinen Teil davon aufgenommen, so dass eine etwaige Vitamin A-Überrversorgung nicht zu befürchten ist.

Das Terrarium für Nr. 5 und 6 ist mit einem 75-W-Wärme- und Helligkeitsstrahler und einem UVB-Kompaktstrahler (26 W) ausgestattet (siehe Bild 7 in Teil 1). Beide Lampen sind etwa 7 Stunden täglich in Betrieb.
Als Bodengrund verwende ich fein gehackte, gereinigte Rinde (Repti Bark) aus dem Zoofachhandel. Es hatte sich schon bei den Spornschildkröten Nr. 1-4 gezeigt, dass die Art des Bodengrundes nichts mit dem Zustand der kümmernden Schildkröten zu tun hatte: das Verhalten und der Zustand der Schildkröten war unabhängig davon, ob ich Grasnarbe (Bild 4), ungedüngte Erde, Borkenhumus, Rosenmulch, Hanfstreu usw. einbrachte.

Im Sommer kamen die beiden in ein (bei starker Sonneneinstrahlung teilweise abgeschattetes Gehege auf dem Balkon, nur ein paar Schritte vom Terrarium entfernt, so dass sie möglichst lange in den Genuss der natürlichen Sonnenstrahlung kamen.

Leid2 Bild4Bild 4: Eines der beiden Spornschildkröten-Babys im Terrarium neben einer frisch eingebrachten Grasnarbe, die jede Woche gegen eine neue ausgetauscht wurde. Im Hintergrund eine junge Griechische Landschildkröte aus meiner eigenen Zucht, die ich versuchsweise vorübergehend mit den beiden kümmernden Spornschildkröten-Jungtieren vergesellschaftete. Die Spornschildkröte war zum Zeitpunkt dieser Aufnahme fast ein Jahr älter als die Griechische Nachzucht aus dem Jahr 2012.




Langsam fingen meine beiden Patienten von selbst zu fressen an, wobei sie klein geschnittene Gurkenstückchen bevorzugten – ein erster Lichtblick nach vielen Monaten des Bangens und Hoffens. Allerdings muste ich das Futter zunächst extrem klein schneiden, da es die Tiere sonst nicht hinunterschlucken konnten. Größere Pflanzenteile blieben häufig im Schlund hängen; die Schluckversuche strengten die Spornschildkröten sichtlich an: nach wenigen Minuten waren sie meist so ermattet, dass sie das Fressen einstellten und den Rest des Tages vor sich hindösend oder schlafend verbrachten (Bild 5).

Bild 5: Ein fast alltägliches Bild: nach dem Fressen, das in der Regel nur am Vormittag stattfand, Leid2 Bild5dann aber den Rest des Tages nicht mehr, schliefen die Jungtiere Nr. 5 und 6 erschöpft noch am Fressplatz ein. Etwa 80 % des angebotenen Futters musste täglich wieder aus dem Terrarium entfernt werden.













Nachfolgend einige der regelmäßig erfolgten Gewichtsaufzeichnungen der beiden Sulcata-Jungtiere Nr. 5 und 6 von April 2012 bis November 2013. Die Werte machen es verständlich, wenn ich in der Überschrift dieses Artikels von Null-Wachstum spreche: immerhin werden die beiden Schildkröten im Dezember 2013 schon drei Jahre alt.

Gewichtsentwicklung von Anfang April 2012 bis Mitte November 2013

Gewicht in g

Nr. 5

Nr. 6

9. April 2012

69

104

14. Mai 2012

71

106

17. Juni 2012

78

106

10. August 2012

72

103

7. Oktober 2012

73

110

25. November 2012

74

109

31. Dezember 2012

75

110

3. Februar 2013

75

106

3. März 2013

77

104

21. April 2013

74

107

14. Juni 2013

69

109

21. Juli 2013

77

113

8. September 2013

79

117

17 November 2013

76

113


Auffällig sind die Gewichtsschwankungen, vor allem bei der Spornschildköte Nr. 5, während Nr. 6 wenigstens leicht zugenommen hat – wenn auch in der langen Zeit von fast 19 Monaten! Nach meinen Erfahrungen ist eine tägliche Gewichtskontrolle in solchen Fällen nicht zu empfehlen. Monatliches Wiegen reicht durchaus aus, denn für „empfindliche Gemüter“ ist es mehr als frustrierend, wenn die Schildkröte nach vielen Bemühungen endlich 1 g zugenommen hat, dann aber zwei Tage danach wieder 2 oder 3 g weniger wiegt! Solche Schwankungen sind bei Tier Nr. 5 fast die Regel, wie die Tabelle eindrucksvoll zeigt.
Ich bezweifle mittlerweile selbst, dass ich dieses Jungtier auf Dauer durchbekomme, zumal es aktuell beim Hochladen dieses Berichtes drei Tage hintereinander nichts gefressen hat und sich recht lethargisch gibt (Bild 6):

Leid2 Bild6Bild 6: Besteht überhaupt noch Hoffnung für die Spornschildkröte Nr. 5? Die Waage zeigt 74 g an, doch allein schon an den Jahresringen ist zu sehen, dass die Schildkröte etwa 3 Jahre alt sein muss.







Wie ich schon bei den Tieren 1-4 beobachtete, ist auch bei Nr. 5 und 6 das Bewegungsbedürfnis auffällig gering, so dass beide auch heute noch in einem nur 60 cm langen Terrarium gehalten werden können. Meist ruhen die beiden Schildkröten tagsüber nebeneinander unter der Bestrahlungslampe und bewegen sich nur zum Fressen etwa 15 cm weit zur Futterplatte, und danach wieder zurück unter die Lampe. Aber auch im Freigehege nutzen sie die ihnen zur Verfügung stehende erheblich größere Fläche auch nicht annähernd aus. Wie schon die Tiere Nr. 1-4 meiden sie die helle Sonne und bevorzugen Schattenplätze (siehe Teil 1 des Artikels).

Einen gewissen Fortschritt sehe ich jedoch darin, dass sich beide beim Fressen seit einiger Zeit leichter tun als früher: sie beißen jetzt kleine Stücke aus größeren Pflanfzenteilen ab und können sich dabei auch mehr anstrengen als bisher ohne gleich einzuschlafen. Ihr Interesse an der Umgebung außerhalb des Terrariums ist größer geworden: sobald ich die Glastür des Terrariums öffne und neues Futter bringe, kommen mir beide entgegen – eine der wenigen Glücksmomente für den leidgeprüften Pfleger. Noch ein weiterer Fortschritt: die früher beim Baden ausgeschiedenen relativ großen Mengen an weißlichen Uraten (siehe Bild 8 im 1. Teil des Artikels) beobachte ich seit einiger Zeit nicht mehr.

Ende April 2013 ließ ich in einer Tierklinik von Nr. 5 und 6 frische Kotproben mikroskopisch untersuchen. Das Ergebnis war negativ, also weder Hinweise auf Magen-Darmwürmer, noch Einzeller, noch Kokzidien.

Blutuntersuchung: ja oder nein?
Nachdem mich die durchgeführten Sektionen von immerhin drei Schildkröten bei der erhofften Ursachenfindung nicht weiterbrachten, war zu überlegen, ob eine Blutuntersuchung und ein daraus erstelltes Chemogramm sinnvoll ist. Auch wenn eine Blutuntersuchung keine Garantie dafür ist, einen etwaigen Erreger tatsächlich auch zu finden und die Interpretation der Messergebnisse außerdem viel Erfahrung voraussetzt, könnte man zumindest eine Infektion ausschließen und ermitteln, ob trotz der Vitaminzugaben mit dem Futter ein Mangelzustand, z.B. ein Vitaminmangel, vorliegt. Zwar soll man Schildkröten mit weniger als etwa 180 g Körpergewicht kein Blut entnehmen [Eggenschwiler, 2000] und schon gleich gar nicht bei sehr schwachen Tieren wie in meinem Fall, doch mittlerweile gibt es modernere Analsysengeräte, die mit geringeren Probenmengen als 0,3 ml Blut auskommen.

Der dazu befragte Schildkröten-Spezialist Dr. Hans-J. Bidmon riet mir jedoch von dem Vorhaben ab. Es sei nicht sehr sinnvoll, so argumentierte er, Blut von einer Schildkröte zu entnehmen, deren Kondition sich möglicherweise gerade etwas bessert, weil dann der gemessene Proteingehalt im Blut falsch interpretiert werden kann. Eindeutig seien solche Rückschlüsse nur bei einem extrem schwachen Tier [Bidmon, 2012]. Um einen derartigen Schwächezustand jedoch zu erkennen, bedarf es keiner das Tier stressenden Blutuntersuchung.
Auch meine Tierärztin stand einer Blutentnahme wegen des anhaltend geringen Gewichts der beiden Tiere ablehnend gegenüber.
So ersparte ich den beiden Spornschildkröten-Jungtieren die Abnahme von Blut.

Erfahrungen und Aussagen anderer Spornschildkröten-Halter
Im Zusammenhang mit dem 1. Teil meines Artikels hatte ich auf der Startseite von www.schildi-online.eu zwischen Ende März und Anfang September 2012 Schildkrötenhalter mit ähnlichen Problemen bei ihren Tieren gebeten, sich zu melden. Es waren zwar letztlich nur sieben Personen, die den „Mut“ dazu hatten, aber ich vermute stark, dass die „Dunkelziffer“ größer ist. Übereinstimmend war die weitgehende Bestätigung der von mir geschilderten Symptome: kaum Wachstum trotz Futteraufnahme, rasche Ermattung beim Fressen (manche Tiere schlafen noch mit dem Kopf im Futter ein), wenig Bewegungsdrang, Aufsuchen von Schattenplätzen, nur um die auffälligsten zu nennen.

In einer der erhaltenen Zuschriften teilte mir der Verfasser mit, dass das Problem kümmernder Spornschildkröten-Jungtiere durchaus bekannt sei und auch bei jungen Pantherschildkröten auftrete. Verständlicherweise würden die Halter das Problem aber nicht thematisieren. Nach seinem Eindruck sind nicht nur einzelne Tiere eines Geleges betroffen, sondern sämtliche geschlüpften Geschwistertiere. Das nächste Gelege kann dann aber wieder in Ordnung sein. Da die Züchter ihre Jungtiere schon bald nach dem Schlupf an Händler oder an Privat abgeben, bemerken sie die Wachstumsprobleme unter Umständen erst dann, wenn sich die Käufer beschweren. Viele tun dies aber nicht, weil sie fälschlicherweise von eigenen Pflegefehlern ausgehen. Vorsichtig müsse man sein, hieß es weiter, wenn in diversen Anzeigen Tiere angeboten werden, die extrem untergewichtig sind. Eine 3 ½ -jährige Spornschildkröte mit 200 g Gewicht darf man eben nicht kaufen!

Eine Schildkrötenfreundin, die vier G. sulcatas besitzt, von denen zwei schon etwas ältere Kümmerlinge sind, vermutet, dass manche Züchter den Muttertieren Wehenmittel (Oxitocin) verabreichen, um zu erreichen, dass alle Eier gleichzeitig abgesetzt werden. Möglicherweise, so meint sie, sind dann bei dieser Praxis einige Eier noch nicht so weit entwickelt, dass daraus „gute“ Schildkröten werden. Ihre Spornschildkröte "Baghira" wiegt mit nahezu 7 Jahren noch keine 200 g (!), obwohl sie normal frisst und sich auch sonst ganz normal verhält. Ihr zweites Sorgenkind, das wegen eines starken Wurmbefalls allerdings eine längere Medikamentenbehandlung hinter sich hat, ist 4 Jahre alt und wiegt 300 g - für die Art ebenfalls viel zu wenig.

Eine andere Halterin schreibt mir, dass sie von einem Züchter ein 8 Monate altes Spornschildkröten-Baby mit 48 g und im gleichen Jahr (2010) vom gleichen Züchter ein zweites mit nur 3 Monaten erhielt, das lediglich 26 g wog. Nach zwei Monaten lebte keines der Jungtiere mehr. Trotz optimaler Einrichtung des Terrariums verhielten sich die beiden Kleinen schon kurz nach Erhalt lethargisch und zeigten die von mir geschilderten Symptome.
Angemerkt sei noch, dass dieser Züchter wenig später Probleme mit den zuständigen Behörden (Veterinäramt, Untere Naturschutzbehörde) bekam. Ich kann nur hoffen, dass er nicht weiterhin mit Schildkröten handelt.
Trotz ihrer nachvollziehbaren großen Enttäuschung legte sich die Schildkrötenfreundin zwei weitere Spornschildkröten-Nachzuchten von einem anderen Züchter zu, mit denen sie viel Freunde hat und die sich auch normal entwickeln.

Wie frustrierend die Beschäftigung mit kümmernden Spornschildkröten-Nachzuchten sein kann, beschreibt eine weitere Schildkrötenfreundin, die mir eine Gewichtsgrafik schickte. Sie erhielt einen Kümmerling geschenkt, der nach Papier angeblich 4 Monate alt und 36 g schwer sein sollte. Bei ihrer Ankunft wog die kleine Schildkröte aber nur 27 g, wobei die untersuchende Tierärztin das wahre Alter jedoch eher auf 4 Wochen schätzte. Jeden Tag wurde das Kleine per Sonde zwangsernährt (Möhrenbrei mit BeneBac, HerbiCarePlus und Calcium) und jeden 2. Tag erhielt es darüber hinaus eine Infusion mit einer Clucose-Ringerlösung. Nach 3 Wochen Behandlung jubelte die Besitzerin zum ersten Mal: die Waage zeigte 31 g an, ein Plus von immerhin 4 g (+ 15 %). Noch am gleichen Abend urinierte die Schildkröte eine große Menge und wog dann am nächsten Tag wieder nur noch 27 g. Eine Riesenenttäuschung für die Besitzerin.

Sie stellte die Sondenfütterung ein, als die Schildkröte eigenständig zu fressen begann. Das Abbeißen und Hinunterschlucken scheint extrem anstrengend für das Tier zu sein, das nicht selten mit dem Kopf im Futter steckend einschläft. Dieser ständige Gewichtsverlust nach nur wenigen Gramm Gewichtszunahme sei extrem demoralisierend – ich kann dies nach meinen Erfahrungen mit Nr. 5 und 6 sehr gut nachvollziehen.

Ein anderer Käufer einer jungen Spornschildkröte erhielt sein Tier im Sommer 2012 – und zwar vom gleichen Lieferanten aus NRW, von dem auch die Babys Nr. 1-4 stammten (siehe 1. Teil des Artikels). Das Tier litt unter einem starken Wurmbefall. Trotz Behandlung durch einen reptilienkundigen Tierarzt konnte die Schildkröte nicht mehr gerettet werden und verstarb - zwei Monate nach Erhalt.

In einer aktuellen Zuschrift von Oktober 2013 teilt mir eine Schildkrötenliebhaberin mit, dass sie sich im Jahr 2011 zwei Sulcata-Babys zugelegt hatte. Beide Schildkröten stagnierten im Wachstum; eine verstarb noch im gleichen Jahr. Die zweite hat etwas an Gewicht zugelegt, vor allem im letzten Jahr (2012), kränkelt aber viel. Ihre Frage an mich kann ich leider auch nicht beantworten: hat sie wirklich eine Chance, alt zu werden?

Was Spornschildkröten-Babys etwa wiegen sollten
Die in diesem Beitrag angeführten Schildkrötengewichte in Abhängigkeit des Alters können nur richtig beurteilt werden, wenn das „normale“ Gewicht bekannt ist. Typisch für die Art C. sulcata ist, dass die Schildkrötengewichte stark schwanken, sogar bei Geschwistertieren des gleichen Geleges und natürlich erst recht zwischen Männchen und Weibchen. So kann beispielsweise eine Spornschildkröte mit einer Carapaxlänge von ca. 25 cm sowohl erst drei Jahre als auch schon 10 Jahre alt sein [Stewart, 2012].

Die in der nachstehenden Tabelle angegebenen Gewichte stammen von der spanischen Schildkrötenzüchterin Brigitte Kesseler. Sie sind nicht so zu verstehen, dass schon bei Unterschieden von 30 oder auch 40 % zum eigenen Tier ein Besuch beim Tierarzt erfolgen muss. Es handelt sich um grobe von/bis-Richtwerte, wobei auch noch das Alter, Gewicht und die Größe der Elterntiere eine Rolle spielen. Wenn aber ein 1 Jahr altes Baby der größten auf dem Festland vorkommenden Landschildkröten-Art noch keine 50 g wiegt, dann darf man getrost von Zwergwuchs oder Null-Wachstum sprechen.
Bild 7 zeigt eine sich normal entwickelnde Spornschildkröte.

Anhaltswerte für Gewichte von Spornschildkröten-Babys

Alter, Tage bzw. Monate

Gewicht, g

Bemerkungen

14 Tage

39

CL = 5,5 cm

2 Monate

29 – 43

 

3 Monate

39 – 55

 

4 Monate

54 – 69

 

12 Monate

ca. 120

 

13 Monate

190 – 340

CL = 9 - 12 cm

16 Monate

2401 – 6402

1 = Männchen, 2 = Weibchen

CL = gestreckte Carapaxlänge


Leid2 Bild7Bild 7: Beispiel für ein normales Wachstum: dieses Spornschildkröten-Weibchen war zum Zeitpunkt der Aufnahme etwa 4 ½ Jahre alt und wog knapp 5 kg. Foto von Stefan Dettling. Alle anderen Aufnahmen stammen vom Autor.









Fazit und Empfehlungen

Leider war es mir trotz aller Bemühungen bisher nicht möglich, den eigentlichen Grund für das Kümmern von Spornschildkröten-Nachzuchten herauszufinden. Ein genetischer Effekt als Erklärung wird von den Spezialisten als Ausnahme (weniger als 5 % der auftretenden Fälle) angesehen. Eine übermäßig starke Verwurmung kann auch nicht der (alleinige) Grund sein, weil auch Tiere kümmern, die nachweislich wurmfrei sind (ein ganz anderes, hier aus Platzgründen nicht zu diskutierendes Thema ist, ob es überhaupt sinnvoll ist, einen Oxyurenbefall bei ohnehin schon geschwächten Tieren mittels Panacur zu bekämpfen). Entsprechendes gilt für eine gestörte Calciumaufnahme bzw. Vitamin D-Synthese oder für Mineralstoffmangel: sobald die kleinen Schildkröten wenigstens etwas fressen (oder zwangsernährt werden), nehmen sie automatisch auch ausreichend Mineralien auf. Denkbar als Erklärung wäre auch eine virale Infektion mit der Folge einer Demineralisierung oder eine sekundäre krankhafte Überaktivität der Nebenschilddrüsen.

Wer bereits eine kümmernde junge Spornschildkröte besitzt und sie artgerecht hält, auf die trotzdem die in diesem Artikel veröffentlichten Symptome zutreffen, kann an der Situation nur wenig ändern. Man muss sich als Halter eines derartigen Tiers mit dessen Zustand abfinden. Man sollte sich auch keine Vorwürfe in Richtung auf eine mögliche falsche Haltung machen, denn die Art Geochelone sulcata ist eine sehr robuste Schildkrötenart, die mit vielen unterschiedlichen Umgebungsbedingungen zurechtkommt.
Ich fürchte, dass derartige kleinwüchsige Tiere immer Patienten bleiben werden, auch wenn mir entsprechende Erfahrungen bei über 6-jährigen Tieren fehlen. Man muss also mit ständigen Höhen und Tiefen in der Pflege rechnen. Einziger Vorteil, wenn man dieses Wort in diesem Zusammenhang überhaupt gebrauchen kann: ein oder zwei Kümmerlinge dieser Riesenschildkrötenart lassen sich in einem vergleichsweise kleinen Terrarium bzw., in der warmen Jahreszeit, in einem kleinen Freigehege pflegen.

Doch Käufer von Spornschildkröten-Nachzuchten können sich eine derartige, alles andere als zufriedenstellende Situation ersparen. Sie sollten keine Nachzuchten ungesehen bei Händlern kaufen, die ständig mehrere Schildkrötenarten auf engem Raum halten und die Elterntiere nicht vorzeigen können. Aber auch der Kauf von Spornschildkröten-Schlüpflingen auf einer Reptilienbörse stellt aus meiner Sicht ein gewisses Risiko dar. Wenn der Erwerb dort schon sein muss, dann sollte man sich vom Verkäufer nicht nur die Papiere (sofort auf Plausibilität prüfen !) zeigen lassen, sondern auch nach dem aktuellen Gewicht und der Gewichtsentwicklung der letzten Wochen fragen. Das Mitnehmen einer kleinen Küchenwaage ist in diesem Fall nicht übertrieben. Auch das Untersuchungsprotokoll einer Kotprobe der angebotenen Tiere wäre für den Käufer interessant.

Zu bevorzugen ist der persönliche Kauf beim Züchter zuhause. Vorsicht ist geboten, wenn die angebotenen Schildkröten-Babys schon beim Züchter apathisch sind: sie müssen neugierig sein und im Gehege herumlaufen. Sulcatas mit einem Gewicht von weniger als 45 g sollte man generell nicht kaufen. Ich selbst wäre – nach all den unerfreulichen Erfahrungen so mancher Schildkrötenfreunde – sogar noch vorsichtiger und würde Sulcatas nur ab einem Alter von etwa einem Jahr erwerben, auch wenn sie dann etwas teurer sind als erst zwei oder drei Monate alte Babys. Was solche Schildkröten etwa wiegen sollten, ist obiger Tabelle zu entnehmen.
Seriöse Züchter werden bestimmt auch einer Rückgabe eines gekauften Tieres für den Fall zustimmen, dass sein Gewicht nach dem Kauf stagnieren sollte.

Ich wünsche mir deshalb, dass dieser zweiteilige Bericht von möglichst vielen Schildkrötenfreunden, aber auch Züchtern gelesen wird. Sollten Sie im Bekanntenkreis erfahren, dass jemand an die Anschaffung von G. sulcata denkt, so machen Sie ihn/sie auf meinen zweiteiligen Artikel aufmerksam, auch dann, wenn er/sie bereits ein Sulcata-Problemtier besitzt.

Literatur:
Bidmon Hans-J. (2012): pers.
Mitteilung an den Autor, 1.12.2012
Dennert Carolin (2001): Ernährung von Landschildkröten. Natur und Tier-Verlag, Münster, ISBN 3-931587-53-3
Eggenschwiler Ursula (2000): Die Schildkröte in der tierärztlichen Praxis. Schöneck-Verlag, ISBN 3-9522067-0-9
Stewart Tyler (2012): Sulcata Tortoise Care Sheet. www.reptilechannel.com/care-sheets, Stand September 2012

 

Dieser Beitrag wurde am 17. November 2013 online gestellt.
Auf die Nennung der Namen von Käufern und Züchtern wurde bewusst verzichtet.

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Nachtrag vom 26. März 2014:
Spornschildkröten-Babys Nr. 5 und 6 leben (auch) nicht mehr
Leider sind meine im obigen Beitrag angedeuteten Hoffnungen über einen gewissen Entwicklungsfortschritt bei den beiden stark zurückgebliebenen Sulcata-Jungtieren Nr. 5 und 6 nicht in Erfüllung gegangen. Im obigen Text wurde bereits erwähnt, dass die beiden zum Zeitpunkt des Hochladens des umfangreichen Berichtes nach mehreren Tagen mit - relativ - gutem Appetit plötzlich das Futter wieder verweigerten, was auch immer ich ihnen anbot. Diese Phase hielt leider seitdem an, und die Tiere wurden zunehmend lethargischer. Die Folge war ein Gewichtsverlust: wog das kleinere Tier (Nr. 5) am 7. Januar 2014 noch 69 g und das etwas größere (Nr. 6) 104 g, zeigte die Waage am 16. März nur noch 64 bzw. 99 g an. Da alle Sulcata-Jungtiere von mehreren Züchtern, deren traurige Schicksale ich über drei Jahre (2011-2014) hinweg verfolgen konnte, im Freien auffällig sonnenscheu waren, ersetzte ich die Wärmelampe in ihrem Terrarium durch eine mit geringerer Watt-Zahl. Doch auch diese Maßnahme brachte keine Änderung im Verhalten der Jungtiere: ihre kumulierte Tagesstrecke war nie größer als 10 cm! Meist lagen die Tiere mit geschlossenen Augen im äußeren Bereich des Lichtkegels und bewegten sich praktisch nicht. Einzig das zweimal wöchentlich erfolgende Bad im lauwarmen Wasser für etwa 10 Minuten belebte sie kurzzeitig; wenigstens streckten sie während dieser Zeit ihre Köpfe aus dem Wasser und öffneten ihre Augen.

P3220223kleinDie beiden fast drei Jahre alten Sulcata-Jungtiere in der letzten Aufnahme von ihnen vom 22. März 2014, mit einer viel größeren Wäscheklammer als Größenvergleich. Normal gewachsene Schildkröten dieser Art sollten in diesem Alter deutlich über 1 kg wiegen. Foto vom Autor.


 

Eine weitere Behandlung durch die Tierärztin wollte ich den beiden ebensowenig zumuten wie eine tägliche Zwangsernährung durch mich. Wenn artgerecht gehaltene Schildkröten bei dieser speziellen Vorgeschichte über so lange Zeit nichts fressen, sollte man ihr Dasein nicht durch die künstliche Ernährung kurzzeitig verlängern - zu dieser Ansicht war ich inzwischen gelangt. Am vergangenen Wochenende  fotografierte ich die beiden "Sorgen"-Schildkröten noch ein letztes Mal (siehe Bild) - dann war der Zeitpunkt gekommen, endgültig Abschied von ihnen zu nehmen, wobei ich mir es damit wirklich nicht leicht gemacht habe und diesen Schritt lange Zeit immer wieder aufgeschoben habe ... Da das Terrarium in meinem Büro auf einem Sideboard nur 40 cm vom Schreibtisch entfernt ist, habe ich die beiden Schildkröten über viele Monate hinweg täglich mehrere Stunden lang im Auge gehabt und fast jede Regung von ihnen registriert - wahrlich kein erfreulicher Anblick. Schade ...  , schade vor allem auch, dass trotz des Einschaltens mehrerer erfahrener Veterinärmediziner, denen ich frisch verstorbene Spornschildkröten-Schlüpflinge überließ, unklar blieb, warum diese Jungtiere fast von Anfang an ihr Wachstum eingestellt haben.

 

 

Text und Fotos von Horst Köhler, Friedberg

 

Einleitung
Normalerweise bevorzugen europäische Landschildkröten in ihren südeuropäischen Ursprungsländern Lebensräume, in denen die Vegetation von niederen Gräsern und Unkräutern über Gestrüpp und halbhohes Buschwerk bis hin zu schattenspendenden Pinien- oder anderen Bäumen, wie Obstbäumen, reicht. Diese Vegetation gibt den Tieren nicht nur Schutz vor der Mittagshitze in der warmen Jahreszeit und vor zu hoher UVB-Einstrahlung, sondern bietet auch leicht feuchte Rückzugs- und Schlafplätze. Dies ist insbesondere für die Schlüpflinge und Jungtiere bis zu etwa drei Jahren Alter überlebenswichtig; ein dichter Bodenbewuchs schützt sie außerdem auch vor den zahlreichen Fressfeinden.

 

SandBild1

Bild 1: Blick über einen Teil des Dünenfeldes von Nord nach Süd gesehen; hinten das Mittelmeer.

 

SandBild2

Bild 2: Dieser Teil des Biotops ist wesentlich spärlicher bewachsen. Die sich hier aufhaltenden Schildkröten finden kaum Schatten und Schutz. Blickrichtung wie bei Bild 1. 

 

Lebensraum Sanddünen
Landschildkröten können aber auch in ganz anders beschaffenen, auf den ersten Blick unwirtlichen Regionen existieren und sich dort auch fortpflanzen, wie etliche Beiträge und Schildkrötenfotos einer begeisterten Schildkröten-Freundin in dieser Website in der gleichen Rubrik „Berichte & Artikel“ von einem Sanddünen-Biotop im Raum Belek in der Südtürkei beweisen (siehe z.B. „Seltene Beobachtung: Interessantes Sozialverhalten bei frei lebenden Landschildkröten“, Artikel vom 15.3.2013 oder „Erwachen maurischer Landschildkröten im Raum Antalya (Südtürkei) Mitte Februar 2010“, 2. Teil, vom 16.5.2010).

Neugierig geworden, wollte ich diesen besonderen Lebensraum ebenfalls sehen und buchte kurzfristig in der ersten Maihälfte 2013 für eine Woche ein Hotel in Belek. Leider waren die dem Biotop nächstgelegenen Hotels entweder ausgebucht oder für mich zu teuer. Die Folge war, dass für die Hin- und Rückfahrt zu bzw. von diesem Gelände von bzw. zu meinem Hotel, ingesamt 40 km, 60 Euro für das Taxi anfielen. Aber das sollte es mir wert sein! Eine Haltestelle der wesentlich preiswerteren türkischen Mini-Busse gab es in der Nähe meines Wunschziels nicht; ich hatte auch nicht allzu große Lust, bei der Hitze nach mehreren Stunden Aufenthalt in den Sanddünen mit all meinem Equipment auch noch 2 km zu laufen. Schließlich war dies ja für mich auch Urlaub (den mir meine zuhause gebliebene Frau genehmigt hatte; Dank dafür an sie).

 

SandBild3Bild 3: Versuchsweise von dieser Pflanze einer Schildkröte angebotene Blüten und Blätter wurden ignoriert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

SandBild4Bild 4: Verräterische Schildkrötenspuren im Sand. Man braucht nur der Spur zu folgen (allerdings in der richtigen Richtung !) und man weiß, wo die Schildkröte sitzt.    

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Bilder 1-5 geben einen Eindruck vom Aussehen des Sanddünen-Biotops und seiner Vegetation. Ich schätze seine Größe grob auf 400-600 m in Ost-West-Richtung und auf etwa 300 m in Nord-Süd-Richtung. Im Süden begrenzt das Meer und ein etwa 50 m breiter völlig vegetationsloser Sandstreifen das Areal, im Norden ein Wasserkanal, im Westen die Begrenzungsmauer eines großen Hotels und im Osten ein nicht-asphaltierter Zufahrtweg zum Strand, der aber kaum benutzt wird, und wenn doch, dann meist nur von einigen wenigen Türken. Auf dem leicht hügeligen Gelände herrscht zumeist niederer Bewuchs vor, oft Pflanzen mit dornigen Widerhaken. Meine damit gespickten Socken konnte ich nach der Rückkehr ins Hotel nur noch wegwerfen; es dauerte fast eine Stunde, bis ich die Stacheln aus meinen Turnschuhen entfernt hatte. Besser geeignet für derartige Exkursionen wäre also festes Schuhwerk.

 SandBild5

Bild 5: Solche Stauden mit bis etwa 3 m Ausdehnung bieten den Schildkröten ausreichend Schutz vor Sonne sowie Schlaf- und Überwinterungsplätze. Höhere schattenspendende Pflanzen oder gar (Eichen-) Bäume wie in anderen Sanddünenbiotopen, z.B. (Bidmon, 2013), gibt es hier nicht.

 

Feldprogramm
Gegen 7.30 Uhr Ortszeit – auf das Hotelfrühstück musste ich an diesem Tag verzichten – setzte mich das Taxi am Rand des Biotops ab. Besser wäre ich eine Stunde früher vor Ort gewesen, denn als ich eine halbe Stunde später die erste Maurische Landschildkröte (Testudo graeca ibera) sah (Bild 6), zeigte mir mein digitales Thermometer bereits 29 °C Lufttemperatur im Schatten an. Die Höchsttemperatur war mit rund 34 °C (das bedeutet über 40 °C an der Sonne) etwa zwei Stunden später erreicht; zu diesem Zeitpunkt lagen die Carapax-Temperaturen der untersuchten Tiere bei 32-33 °C. Zum späten Vormittag hin bewölkte sich der Himmel zum Glück etwas, so dass die Temperaturen nicht mehr weiter anstiegen – denn für den Schildkrötenbesucher gibt es auf diesem Gelände keinen Schatten.

 

SandBild6

Bild 6: Dienstag, 7. Mai 2013, 8.02 Uhr Ortszeit: meine erste Schildkröte an diesem Tag, ein 2,2 kg schweres Weibchen, hier von den kleinen gelben Blüten fressend direkt am Fundplatz aufgenommen. 

 

Wie meine früheren Temperaturmessungen an Landschildkröten gezeigt haben, halten sich Tiere ab diesem Temperaturniveau nicht mehr an der freien Sonne auf, sondern bevorzugen schattige Plätze. Die gibt es auch in einem Sanddünen-Schildkrötenbiotop in ausreichender Zahl, auch wenn sie jeweils von begrenzter Größe sind (Bild 5).

Die hohen Tagestemperaturen waren der Grund dafür, dass ich nach etwa 10 Uhr trotz schweißtreibenden Suchens keine weitere Schildkröte mehr fand. Kein Wunder, denn um diese Zeit hatte die Sandoberfläche bereits eine Temperatur von 40 °C erreicht. Die für Schildkröten tödliche (letale) Temperatur ist davon nicht mehr sehr weit entfernt! Gleichzeitig ist auch die UVB-Bestrahlung der Sonne wegen der schlechten Deckung ungleich stärker als in anderen Lebensräumen. So habe ich schon um 9 Uhr am Fundort der in Bild 6 gezeigten Schildkröte 175 µW/cm2 gemessen, um 10.45 Uhr 300 µW/cm2. In anderen, „normalen“ Biotopen liegen typische UVB-Intensitäten um diese Tageszeit bei 50 bzw. 100 µW/cm2. Ich warne aber ausdrücklich davor, die hier angegebenen hohen Strahlungsintensitäten in dem ungeschützten Sanddünen-Schildkrötenbiotop für ein heimisches Schildkröten-Innengehege zu übernehmen, zumal für die UVB-Dosis auf die Tiere nicht nur die Intensität, sondern auch die Dauer der UVB-Beaufschlagung eine wichtige Rolle spielt (Näheres in der Rubrik „UVB-Fachartikel“ dieser Website).

Insgesamt untersuchte ich sechs Schildkröten mit Gewichten zwischen 0,9 und 2,7 kg, zwei Männchen und vier Weibchen. Eine weitere Maurische Landschildkröte entwischte mir, weil ich mit den Arbeiten an ihrer „Vorgängerin“ noch nicht ganz fertig und danach das Tier plötzlich verschwunden war. Aber es war auch nicht meine Intention, als persönlicher Wettbewerb möglichst viele Schildkröten sehen und fotografieren zu wollen.

Folgende Aufgaben führte ich bei allen sechs Schildkröten durch:

♦  Feststellung des Geschlechts
♦  Gewichtsmessung
♦  Messung des Längs- und Querumfanges, Ul bzw. Uq
♦  Messung der Carapaxlänge
♦  Messung der Lufttemperatur und der Carapax-Temperatur
♦  Messung der UVB-Intensität direkt am Fundort
♦  Fotodokumentation vom Fundort vor Beginn der Untersuchungen, Plastron- und Carapaxfotos am Ende der Untersuchungen.

Falls (ausreichend) Interesse besteht, werde ich den Zusammenhang der Schildkrötengröße, repräsentiert durch das Produkt der beiden Umfänge längs/quer mit dem Gewicht grafisch darstellen und diese Grafik mit entsprechenden Kurven von wild lebenden Schildkröten vergleichen, die in „normalen“ Biotopen leben (siehe mein Artikel „Über Schwimmverhalten, Gewichte und Gewichtskurven (Wachstumskurven) von Landschildkröten“ vom 9.12.2010 in der gleichen Rubrik dieser Website)*.

Jungtiere oder gar Schlüpflinge fand ich nicht, obwohl es sie nach den Berichten der eingangs erwähnten Schildkröten-Liebhaberin geben muss. Drei der sechs untersuchten Tiere hatten keinen Zeckenbefall, die anderen nur wenige Zecken, so dass die mitgenommene Zeckenpinzette nicht zum Einsatz kam. Dies ist auch verständlich, weil es in einem Sanddünen-Biotop nicht allzu viele dichte Versteckplätze wie anderswo gibt. Nach meiner Erkenntnis sind Schildkröten, die in „Normalbiotopen“ leben, im Durchschnitt sehr viel stärker von Zecken befallen.

 

Bild 7: Trauriger Anblick beim Warten auf das Taxi für die Rückfahrt zu meinem Hotel. DieseSandBild7 überfahrene Schildkröte lag bei meiner Ankunft noch nicht an dieser Stelle. Dabei gilt hier, ohnehin weit ab von der nächsten Hauptstraße gelegen, Geschwindigkeitsbeschränkung!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schlangen fand ich übrigens auch nicht, lediglich einige kleinere, sehr scheue Eidechsen. Dafür gibt es Unmengen von Schnecken und deren leere Häuser – an Kalkmangel leiden die dort lebenden Schildkröten nun wirklich nicht.

Pünktlich zum vereinbarten Zeitpunkt um 11.30 Uhr erschien das Taxi für die etwa 20 km lange Rückfahrt zu meinem Hotel. Während der Wartezeit am Rande des Biotops sah ich eine überfahrene Schildkröte (Bild 7), ein sehr unschöner Anblick.
Doch es sollte während meines einwöchigen Türkei-Aufenthaltes das einzige überfahrene Tier sein.

 

Sand8Bild 8: Der Autor mit einer Maurischen Landschildkröte. Wie unschwer zu sehen ist, entstand diese Aufnahme nicht im Sanddünen-Biotop, sondern im abgelegenen Teil der Hotelanlage, wo ich im Verlauf meines Aufenthaltes noch viele weitere Schildkröten fand, über Stunden hinweg ihr Verhalten beobachtete und sie vermaß und wog. Doch das wären Stoff und interessante Ergebnisse genug für einen weiteren Artikel ...


 

 

 

 

 

Alle hier gezeigten Aufnahmen sind unbearbeitete Digitalfotos.

LIteratur:
Bidmon Hans-Jürgen (2013): Schildkröten in den Dünen entlang des Ropotamo: Ein Lebensraum geprägt von ausgiebigem Morgentau zwischen Sand und Eichenlaub. Schildkröten Im Fokus 10 (1), 1. Februar

 

*) Falls allgemeines Interesse an einer solchen Grafik besteht, werde ich sie zu gegebener Zeit in schildi-online.eu veröffentlichen bzw. etwaigen Anfragern (Kontaktmöglichkeiten des Autors siehe Rubrik „Impressum & Kontakte“) gegen Portoerstattung zusenden, ansonsten in einer Schildkrötenzeitschrift publizieren (was aber bis zu einem Jahr dauern dürfte).

 

Dieser Beitrag wurde am 18. Mai 2013 online gestellt.