von Griechischen und Dalmatinischen Landschildkröten

von Ricarda Schramm, Diplom-Biologin


Obwohl schon 1899 von Werner als Varietät der Griechischen Landschildkröte beschrieben, geriet die Dalmatische Landschildkröte als eigene Art/Unterart in Vergessenheit. Erst 2002 wurde sie durch eine Veröffentlichung des finnischen Schildkrötenforschers Jarmo Perälä „wiederentdeckt“ und die Unterscheidungsmerkmale aufgelistet.
In den darauf folgenden Jahren, 2003 und 2004, wurde auch in deutschsprachigen Fachzeitschriften darüber berichtet. Wie viele andere Schildkrötenzüchter verfolgte auch ich diese Berichte mit großem Interesse. Allerdings befand sich damals in meiner Gruppe Griechischer Landschildkröten (Thb) keine „versteckte“ Dalmatische Landschildkröte (Therc) wie bei vielen anderen Haltern.
 
Die erste „Herci“
2003 wurde mir eine ca. 2-jährige „Griechische“ Landschildkröte gebracht, die auf Grund von Haltungsfehlern erkrankt war und abgegeben werden sollte. Bei der äußerlichen Untersuchung des Tieres stellte sich heraus, dass es sich um eine Dalmatische Landschildkröte handelte. Das Tier blieb nach seiner Genesung bei mir. Die Konsequenz war natürlich, weitere Schildkröten derselben Art zu erwerben, da sie weder alleine bleiben noch mit meinen Thb vergesellschaftet werden sollte.
So entstand nach und nach meine heutige Therc-Gruppe, die heute aus zwei Männchen und sechs Weibchen besteht.
Immer wieder werde ich gefragt, welche Art/Unterart der europäischen Landschildkröten denn am besten für Anfänger oder für die Haltung in unserer Klimazone geeignet ist. Diese Frage lässt sich nicht so einfach beantworten. Berücksichtigt man die unterschiedlichen Bedürfnisse der einzelnen Arten und versucht, diesen in der Haltung gerecht zu werden, so eignen sich alle Arten gleichermaßen. Wichtigste Voraussetzung für eine artgerechte Haltung von Landschildkröten in unseren Breiten ist neben dem Freigehege ein beheizbares Haus/Gewächshaus/Frühbeet, um unsere kühleren, feuchteren Sommer auszugleichen. Wäre unser Klima ohne solche Hilfsmittel für Landschildkröten geeignet, würden sie wohl auch in Deutschland in der Natur vorkommen; dies ist aber nicht der Fall.
 
Als Anhaltspunkt braucht man sich nur die Verhältnisse in den jeweiligen natürlichen Verbreitungsgebieten zu vergegenwärtigen, die auch die Unterschiede in Haltung und Verhalten der Tiere in den meisten Fällen logisch erklären. Deshalb werde ich in diesem Artikel die äußerlichen Unterscheidungsmerkmale nur kurz auflisten und den Schwerpunkt auf Unterschiede in Verhalten und Haltung legen, zumal bereits an anderen Stellen ausführlich auf die unterschiedlichen Merkmale im Habitus hingewiesen wurde. Aus dem gleichen Grund werde ich hier auch nicht auf die noch immer andauernde Diskussion über Art- oder Unterartstatus von T. hercegovinensis eingehen.
 
Äußerliche Unterscheidungsmerkmale
Für einen Laien ist es teilweise sehr schwer, Griechische und Dalmatische Landschildkröten voneinander zu unterscheiden, weil die Variabilität innerhalb einer Art sehr groß ist und es nicht das eine entscheidende Merkmal gibt, das eine sichere Zuordnung ermöglicht. Vielmehr ist es die Gesamtheit der Merkmale, die entscheidend ist. Noch schwerer ist es, zu beurteilen, ob es sich eventuell um Mischlinge beider Arten handelt. Diese Mischlinge wird es relativ häufig geben, da immer noch beide Arten in Unkenntnis gemeinsam gehalten und vor allem vermehrt werden.
Für alle aufgelisteten Merkmale gilt: sie treten in der Regel bei der jeweiligen Unterart häufiger auf als bei der anderen, es gibt allerdings immer wieder Ausnahmen (die ja bekanntlich die Regel bestätigen).
  
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Bild 1: Fehlendes Hüftschild bei Therc                     Bild 2: Hüftschild (Dreieck im gelben Kreis) bei Thb

1. Hüftschilde (Inguinale): Das sicherste Merkmal ist das Fehlen der Hüftschilde (Inguinale) bei T. hercegovinensis (Therc) (Bild 1), das weder bei T. hermanni hermanni (Thh) noch bei T. hermanni boettgeri (Thb) (Bild 2) auftritt. Wenn also bei einer fraglichen Schildkröte beiderseits keine Hüftschilde vorhanden sind, so handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um eine Therc. Der umgekehrte Schluss, dass somit alle Tiere mit Hüftschilden Thb oder Thh seien, trifft allerdings nicht zu, denn man findet auch häufiger Therc mit einem oder sogar zwei Hüftschilden, selbst in ihrem natürlichen Lebensraum.  
2. Form und Größe: Die Dalmatische Landschildkröte ist eine kleiner bleibende Art. Der Rückenpanzer ist hochgewölbt. Therc sind kontrastreicher gezeichnet als Thb. Bild 3 zeigt zum Vergleich zwei Weibchen gleichen Alters, links Thb und rechts Therc.


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Bild 3: Im Bild eine Griechische Landschildkröte Testudo hermanni boettgeri (links) mit einer gleichaltrigen Dalmatischen Landschildkröte Testudo (hermanni) hercegovinensis (rechts) im direkten Vergleich.

 

3. Schlüsselloch-Zeichnung auf dem 5. Wirbelschild (Centrale): Therc zeigen auf dem 5. Wirbelschild oft eine „Schlüsselloch-Zeichnung“, fast wie bei Thh, bei Thb keine deutliche Zeichnung.

4. Gelber Subocularfleck (Überaugenfleck): Bei Therc oft vorhanden, bei Thb seltener.
5. Schwarze Zeichnung auf dem Plastron (Bauchpanzer): Bei Therc meist durchgehende schwarze Bänder, die nur zu den Kehl- und Afterschilden getrennt sind, bei Thb ist die schwarze Zeichnung auf dem Plastron mehrfach unterbrochen (Bild 4 und 5).

 

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Bild 4: Plastronzeichnung und Schildnähte bei Thb         Bild 5 (rechts): Plastronzeichnung und Schildnähte bei Therc.


6. Verhältnis der Mittelnähte der Arm- und Schenkelschilde (Humerale und Femorale): Bei Thb ist die Naht zwischen den Armschilden länger als die zwischen den Beinschilden, bei Thh ist das genau umgekehrt und bei Therc ist die Länge beider Nähte nahezu gleich (siehe ebenfalls Bild 4 und 5; die Unterscheidungsmerkmale sind durch kleine gelbe Kreise markiert).
7. Form und Verlauf der Nähte zwischen Arm- und Brustschilden (Humerale und Pectorale): Bei Therc findet man meist zum Plastronrand hin stärker gebogene Nähte, die in der Mitte eher rechtwinklig an der Mittelnaht des Bauchpanzers zusammentreffen. Im Gegensatz dazu treffen die Nähte bei Thb in der Regel in einem spitzeren Winkel aufeinander (siehe ebenfalls Bild 4 und 5).
 
Schon die Schlüpflinge beider Arten/Unterarten unterscheiden sich in der Größe und in der Färbung. Schlüpflinge der Griechischen Landschildkröte (Bild 7) sind ähnlich gefärbt wie ihre Eltern. Schlüpflinge der Dalmatischen Landschildkröte (Bild 6) haben zunächst eine bräunliche Tarnfärbung, die erst im Laufe von ein paar Jahren heller wird.

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             Bild 6: Schlüpfling von T. (h.) hercegovinensis           Bild 7: Schlüpfling von Testudo hermanni boettgeri



Unterschiede im Verhalten beider Arten/Unterarten
(a) Jahresrhythmus

Schon im zeitigen Frühjahr nach der Winterstarre, die die Schildkröten bei mir in einer Schlafkammer mit Deckelheizung in ihren Häusern verbringen (siehe dazu die Fotos zum Thema "Einrichtung und technische Ausstattung meiner Landschildkröten-Gehege" unter "Besucher-Fotos" in www.schildi-online.eu), zeigt sich der erste Unterschied im Verhalten zwischen Griechischen und Dalmatischen Landschildkröten. Während alle Thb bereits beim Erreichen einer Bodentemperatur von 10-12°C im Schlafhaus aufwachen, sich bewegen und umherzulaufen beginnen, ist bei diesen Temperaturen noch keine Therc an der Substratoberfläche zu sehen. Erst bei einer Bodentemperatur von 15-17°C erscheinen diese langsam und verlassen später die Schlafkammer sehr zögernd. Meist sind alle Thb recht schnell wieder fit und beginnen bereits nach zwei Tagen zu fressen, die Therc lassen sich damit länger Zeit, manche graben sich nochmals für ein paar Tage im Boden des Schlafraumes ein.
Logischerweise beginnen dadurch die Dalmatischen Landschildkröten auch ca. 14 Tage später mit den ersten Paarungen, genauso groß ist dann auch der Abstand der ersten Eiablagen von Thb und Therc. Die ersten Thb-Weibchen beginnen etwa um den 20. April mit der Eiablage, Therc erst im Mai. Beide haben meist zwei Gelege pro Jahr; Dalmatische Landschildkröten legen auf Grund ihrer geringeren Größe im Durchschnitt weniger Eier pro Gelege (3,7 gegenüber 4,7 bei Thb) und diese sind kleiner (12-16 g bei Therc gegenüber 16-22 g bei Thb). Einmal wog ein Ei eines Therc-Weibchens sogar nur 10 g, daraus schlüpfte ein Winzling mit einem Gewicht von 4 g (dieser wurde bei den Angaben nicht berücksichtigt).
Beim Schlupf wiegen die kleinen Therc 6-10 g, die Schlüpflinge von Thb bringen dagegen bereits 8-18 g auf die Waage.
Bei der Inkubation der Eier zeigt sich ein weiterer Unterschied zwischen den betrachteten Unterarten. Eine erhöhte Bruttemperatur führt bei Embryonen der Dalmatischen Landschildkröten häufiger zu Schildanomalien als bei Thb. Deshalb bebrüte ich in getrennten Brutkästen, bei unterschiedlichen Temperaturen (Therc etwas niedriger als Thb).
 
Am Ende eines Schildkrötensommers, im Herbst bei der Vorbereitung auf die Winterstarre, verhält es sich genau umgekehrt wie im Frühjahr. Je nach Witterung graben sich die ersten Therc schon im Oktober im Bodengrund ein, manche Thb sieht man dagegen noch im November. Auch findet man bei einer Kontrolle die Dalmatischen Landschildkröten wesentlich tiefer eingegraben im Substrat als Thb.
 
(b) Tagesrhythmus
A. Adulte (erwachsene) Tiere:
Morgens verlassen beide Arten (Unterarten), Thb und Therc, etwa zur gleichen Zeit die Schlafkammern, bringen ihre Körper unter der Wärmelampe oder bereits in der Sonne auf „Betriebstemperatur“ und beginnen mit der Futtersuche. Allerdings bleiben die meisten Thb länger im warmen Gewächshaus, wenn nicht voll die Sonne scheint. Therc gehen auch bei bedecktem Himmel und niedrigeren Temperaturen meist gleich nach draußen in das Freigehege. Während erwachsene Griechische Landschildkröten allgemein besonders in den Mittagsstunden und auch zwischendurch nach einer ausgiebigen Mahlzeit gerne entspannt dösen, sind Dalmatische Landschildkröten sehr viel aktiver und lauffreudiger, ziehen sich nur im Hochsommer bei großer Hitze in den Schatten zurück. Auch in den Abendstunden sind sie länger unterwegs als Thb. Sie laufen im Sommer sehr gerne im warmen Regen umher.
 
B. Juvenile Tiere (Jungtiere):
Schlüpflinge von Therc (Bild 6) dagegen meiden eher freie Flächen mit intensiver Sonneneinstrahlung, sitzen versteckt unter Pflanzen, graben sich abends tiefer in den Bodengrund ein. Dies ist bei Thb-Schlüpflingen (Bild 7) nicht ganz so stark ausgeprägt. Dalmatische Landschildkröten, insbesondere Schlüpflinge und Jungtiere, benötigen eine höhere Luft- und Substrat-Feuchtigkeit als ihre griechischen Verwandten. Bei zu trockener Haltung kommt es häufig zu Augenproblemen, Jungtiere zeigen Neigung zur Höckerbildung.
 
Fazit
Vergleicht man die natürlichen Verbreitungsgebiete von T. hercegovinensis und T. hermanni boettgeri, so lassen sich meiner Meinung nach durch die klimatischen Unterschiede auch die Verhaltensunterschiede erklären. Dalmatische Landschildkröten leben in einem recht schmalen Streifen entlang der Mittelmeerküste von Kroatien über Bosnien-Hercegovina bis an die Grenze zu Albanien. Dort fängt das Verbreitungsgebiet von Thb an, das sich von Albanien über ganz Griechenland bis in die Türkei erstreckt. Im Norden findet man Griechische Landschildkröten in Teilen von Bulgarien, der nördlichste Fundort befindet sich in Rumänien. Anhand der Karte wird schon klar, dass das Klima im Verbreitungsgebiet der Dalmatischen Landschildkröte im Frühjahr und Herbst etwas kühler und weniger beständig ist als im Verbreitungsgebiet der Griechischen Landschildkröte. Die Temperaturen können im Frühjahr noch an manchen Tagen sehr weit nach unten gehen, vor allem nachts, während in Griechenland auch im zeitigen Frühjahr schon wesentlich stabilere Temperaturen erreicht werden. Es gibt im Winter in Kroatien häufiger Frosttage als in Griechenland. Das erklärt, warum Dalmatische Landschildkröten instinktiv im Winter tiefer in der Erde überwintern und warum sie erst bei höheren (stabileren) Bodentemperaturen ihr Winterquartier verlassen.
Interessant wäre in diesem Zusammenhang, das Verhalten einer rumänischen Thb-Population zu untersuchen, denn dort sind die klimatischen Verhältnisse eher mit denen im Verbreitungsgebiet von Therc zu vergleichen.
 
Wir haben Reisen sowohl an die dalmatische Küste als auch nach Rumänien unternommen, um dort Freilandbeobachtungen an Landschildkröten durchzuführen und dabei einen Eindruck von den Lebensumständen der Tiere zu gewinnen. In Kroatien, südlich von Zadar, ist uns dies gelungen. Bild 8 zeigt das typische Habitat einer Macchia, Aufgrund ihrer hervorragenden Tarnfärbung ruhen die Dalmatischen Landschildkröten kaum erkennbar in Licht und Schatten unter Pflanzenbewuchs. Am Rand der Macchia stehen auch im trockenen, heißen Sommer immer noch saftige, grüne Futterpflanzen zur Verfügung. Das Mikroklima unter dem Pflanzenbewuchs und unter Brombeerbüschen bleibt feucht, auch wenn lange kein Regen mehr gefallen ist. Ihre kontrastreiche, dunklere Färbung erlaubt es der Dalmatischen Landschildkröte, sich auch bei weniger Sonneneinstrahlung schneller aufzuheizen.

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Bild 8: Natürliches Habitat der Dalmatischen Landschildkröte, Testudo (hermanni) hercegovinensis, in Kroatien. Alle Aufnahmen dieses Artikels stammen von der Autorin.

 

Während unserer Reise zu einem der Verbreitungsgebiete von T. hermanni boettgeri in Rumänien, in der Region Banat an der Grenze zu Serbien, ist es uns leider nicht gelungen, frei lebende Landschildkröten zu beobachten. Ein Einheimischer teilte uns auf unsere Frage mit, dass weiter oben im Wald Landschildkröten zu finden seien, eher ungewöhnlich für T. hermanni boettgeri. Die Schildkröten leben dort in besonders wärmebegünstigten Arealen, das ansonsten kontinentale Klima ist hier durch die Flüsse und Orte mit heißen Quellen geprägt. Höhere Niederschlagsmengen führen zu einem feuchteren Klima, auch im Hochsommer, als in den südlicheren Verbreitungsgebieten.

Wir werden diese Reise wiederholen und erhoffen uns Aufschluss darüber, ob die Schildkröten dieser nördlichsten Population von T. hermanni boettgeri eventuell ein tagesrhythmisches Verhalten zeigen, das sich von dem der Tiere aus südlicheren Habitate unterscheidet und eher dem Verhalten von T. (h.)hercegovinensis ähnelt.
 
Literatur
Ein Literaturverzeichnis kann bei Interesse bei der Autorin unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! angefordert werden.
 
Dieser Artikel wurde am 2. Juni 2009 online gestellt

von Sandra Zettner
(www.sandys-rasenflitzer.de.vu)

  
In diesem Bericht möchte ich vom Bau unserer Terrarien-Anlage erzählen. Da wir bisher mehrere in ver-
schiedenen Räumen verteilte Terrarien hatten, wollten wir in meinem Büro, in dem ich viel arbeite, eine
Terrarien-Anlage so bauen, dass ich alle Tiere in diesem einen Raum um mich habe. Um diesen Traum zu verwirklichen, war es jedoch noch ein langer und schwieriger Weg, denn mein Büro befindet sich im ersten
Stock direkt unter dem Dach. Doch wir stellten uns der Herausforderung und begannen unverzüglich mit der Planung der Anlage.
Wir haben uns entschlossen, die ganze Zimmerbreite bis oben in die Schräge hinein zu nutzen. So kamen wir
auf die Gesamtmaße der Anlage von 320 x 95 x 175 cm.
Da ich der Meinung bin, dass man für die Pflege von Landschildkröten keine große Höhe benötigt und mir die gekauften Terrarien mit meist 60 cm immer zu hoch waren, haben wir uns für eine Beckenhöhe
von 40 cm entschieden. Da kam bei mir große Freude auf, denn das bedeutete, dass wir drei Ebenen über-einander planen konnten. Da sich nach oben hin die Dachschräge deutlich auswirkt, fiel allerdings die
dritte Etage von der Grundfläche her kleiner aus als die der beiden unteren Etagen.
Ein ausreichender Stauraum für mein Schildkrötenzubehör, wie Ersatzlampen, Bücher, Futter, Inkubator und
alles was man halt als Schildkröten-Terrarianer so braucht, musste natürlich ebenfalls geschaffen werden.
 
Die technische Planung und Ausführung hat mein Vater übernommen, der von Beruf Elektriker ist. Ein
wichtiges Kriterium war, dass man auch später noch Zugang zur Technik hat, damit man bei einem
eventuellen Defekt alle Kabel gut erreichen kann.
Da das kleine Dachzimmer nur über eine Spindeltreppe zu begehen ist, mussten wir die Anlage in 12
einzelnen, entsprechend kleineren Terrarien planen. Bei den Terrarien wurden daher Aussparungen in den Stirnscheiben realisiert, damit die Schildkröten später die ganze Breite der Anlage nutzen konnten.
Ein weiterer zu beachtender Gesichtspunkt war das Gewicht der Terrarien, denn jedes der 12 Becken mit
einer Größe von je 80 x 95 x 40 cm wog etwa 45 kg.
Als wir unsere Ideen in einen maßstabsgetreuen Plan auf Papier umgesetzt hatten, kam ein Terrarienbauer zu
uns nach Hause, um mit uns den Plan zu besprechen und zu entscheiden, ob unsere Vorstellungen alle
umsetzbar sind. Nachdem er den Auftrag zur Herstellung der Terrarien annahm, konnten wir einen Statiker kommen lassen; der prüfte, ob das Haus und vor allem das Dachgeschoß dieses Gewicht auch aushält. Erst
nach dieser Prüfung konnte mit dem Bau der Anlage und der Terrarien begonnen werden.
 
Als ersten Schritt haben wir ein zweiteiliges Podest aus Spanplatten von 30 cm Höhe gebaut, wobei wir in der
Mitte eine Öffnung für das Zubehör aussparten. Um das „Fach“ zu verschließen, nahmen wir ein Brett, das zwei Griffe zum Öffnen erhielt. Da mein Mann Bodenleger ist, war es eine Leichtigkeit, dieses Podest inklusive
„Fach“ und Deckel mit einem terrakottafarbenen Teppich zu überziehen (Bild 1).
 
In der Zwischenzeit hat der Terrarienbauer ein Modell des späteren Terrariums aus Styropor in den Original-
maßen 80 x 95 x 40 cm angefertigt um damit auszuprobieren, ob die Terrarien später auch wirklich über die Wendeltreppe nach oben transportiert werden können. Als der Terrarienbauer zum zweiten Mal bei uns war,
haben wir das Modell zum Test die Treppe hinaufgetragen. Nachdem alles gut verlaufen war und unsere
Treppe ohne Schrammen und Dellen blieb, stand der Fertigung der 12 Terrarien nichts mehr im Wege.

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 Bild 1: Hier steht ein erstes Terrarium probeweise links in der mittleren Reihe auf dem 
teppichüberzogenen Podest. Sieht man genau hin, kann man an der rechten Seite die Durchgangsöffnung 
für die Schildkröten erkennen.

Nach Lieferung der Terrarien wurden zuerst alle mit einer Hintergrundfolie in „Wüstenoptik“ versehen. Dann
stellten wir die ersten vier Becken auf die unterste Reihe. Die drei linken Terrarien sollen später ein großes ergeben, in dem meine Sternschildkröten einziehen würden. Das äußerste Becken dieser Reihe wurde als Quarantäneterrarium vorgesehen; es kann mitsamt einem Teil des Podestes mittels zweier montierter Griffe vorgezogen werden. Hinter diesem Terrarium befindet sich die gesamte Technik, die mit Zeitschaltuhren
gesteuert wird (Bild 2). Auf das Podest wurde rechts und links außen eine starke Spanplatte an der Hauswand auf der einen und der Nebenzimmerwand auf der anderen Seite montiert. An ihr wiederum befestigten wir die aus Spanplatten gefertigten Zwischenböden.


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Bild 2: So sieht ein Teil der Technik mit Zeitschaltuhren und Thermotimern sowie Steckdosen aus. 
Für den Einbau war mein Vater zuständig.

 


Jeweils die beiden mittleren Terrarien in der ersten und zweiten Etage erhielten eine große Bohrung. Hier
fanden sehr stabile Rundhölzer ihren Platz, die die Zwischenböden gegen das Podest abstützten. Denn bei
diesem großen Gewicht wären die Platten sonst mit der Zeit durchgebogen; außerdem konnten die Terrarien
nicht direkt aufeinander gestellt werden, da sie sonst gesprungen wären.
Die Zwischenböden sind in einem Abstand von 10 cm voneinander montiert. Der unterste Boden bekam auf
seiner Unterseite Klemmen zur Befestigung der T5-Röhren und der Keramikfassungen für die Wärmelampen.
In dem Zwischenraum der beiden Böden sind die Vorschaltgeräte und Kabel untergebracht (Bild 3); die entsprechenden Arbeiten erledigte ebenfalls mein Vater.

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 Bild 3: Die Elektrokabel verlaufen zwischen zwei Zwischenböden aus Sperrholzplatten.


 Nun machten wir uns an die zweite Reihe, in der ebenfalls vier Terrarien Platz fanden. Im Unterschied zu den Terrarien unten wurden sie mit einer schrägen Rückwand ausgeführt. Durch die seitlichen Öffnungen in den Terrarien können die Schildkröten auch hier die komplette Etage als ein großes Terrarium nutzen. In dieser
Ebene befinden sich unsere zurzeit noch kleinen drei Spornschildkröten (Geochelone sulcata) und sechs Pantherschildkröten (Geochelone pardalis).
 
Nun wurde der zweite (und zugleich letzte) doppelten Zwischenboden gefertigt. Auch er erhielt Schellen zur Lampen- und Wärmestrahlerbefestigung. Wie bei der ersten Reihe fand auch hier die Technik ihren Platz.
Danach konnten wir die dritte und oberste Reihe mit ihren vier Terrarien komplettieren (Bild 4 und 5). Wegen
der Dachschräge ähneln diese Becken im Querschnitt einem Dreieck. Die T5-Röhren konnten aus dem
gleichen Grund nur noch an der schrägen Rückwand angebracht werden. Durch verstellbare Reflektoren kann
das Licht jedoch auf jeden gewünschten Bereich des Terrariums gerichtet werden. Die vier Terrarien in dieser obersten Reihe haben keine Durchgangsöffnungen, sondern sind geschlossene Behälter. Sie sind für frisch
aus dem Ei geschlüpfte Schildkröten vorgesehen. Da ich verschiedene Schildkröten-Rassen pflege, wollte ich
auch vier separate Aufzucht-Terrarien haben.

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 Bild 4: Das dreistöckige Terrariengestell im Rohbau kurz vor dem Einbringen der einzelnen Terrarien. 
Unser Chihuahua „Simba“ sieht rechts unten interessiert zu. Gut zu sehen die stablilen hölzernen 
Abstandsstützen.

Damit man die Zwischenböden mit den Elektrokabeln nicht sieht, wurden sie durch eine Holzblende, die mein Mann zuvor mit Teppich überzogen hat, abgedeckt. In der mittleren Reihe der Anlage wurde auf der rechten
Seite noch ein Sicherheits-Schutzschalter eingebaut; hier kann man, wenn nötig, die gesamte Stromzufuhr unterbrechen. Zum Öffnen der Terrarien brachten wir an den Außenseiten mit Silikon Griffe aus Aluminium an,
die unser Terrarienbauer aus einem Alu-Winkel gefertigt hatte.


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 Bild 5: Die Gesamtanlage mit meinen Landschildkröten in Betrieb. Die Beleuchtung der Terrarien kann 
auch einzeln betätigt bzw. ein- und ausgeschaltet werden. Die Stützen sind etwas mit Kunstefeu verdeckt, 
damit sie nicht so stark auffallen. Bild 1 bis 5 sind von der Autorin, Bild 6 stammt von Horst Köhler.


Endlich war es nun soweit und ich konnte die Terrarien mit einem natürlichen und ungedüngten Gemisch aus Gartenerde und Sand befüllen. Jede Schildkrötenrasse bekam ihre eigene Wasserschale und für Versteckmöglichkeiten habe ich auch gesorgt. Hierfür eignet sich Korkeichenrinde am besten, da sie sehr
leicht ist und gleichzeitig natürlich aussieht. Da es meine afrikanischen Landschildkröten sehr warm wollen, rüstete ich einen Teilbereich ihrer Terrarien mit einer Boden-Wärmematte aus. Dann drehte ich noch die Wärmelampen und die T5-Röhren in die vorgesehenen Fassungen ein und programmierte die digitalen Zeitschaltuhren.
Jetzt konnte dem Einzug der Schildkröten nichts mehr im Wege stehen (Bild 6); dies war im Jahr 2007. Ich
glaube, unsere Mühe hat sich gelohnt, denn alle Schildkröten fühlen sich sichtlich wohl.


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 Bild 6: Drei meiner Sternschildkröten (Geochelone elegans) genießen das Leben in ihrem neuen Zuhause.

Abschließend noch einige Angaben zu den verwendeten Materialien und angefallenenen Kosten: 
 
(a) Material:
T5- Röhrentechnik
Narva Bio Vital-Röhren mit UV-Anteil und einer Farbtemperatur von 6.000 Kelvin
Elektrovorschaltgeräte der Firma Hüco 
Spanplatten, Teppich, Kleber, Rundholz, 10 Meter Rückwand-Folie, sechs Griffe
Die Bauzeit der gesamten Anlage belief sich auf etwa 6 Wochen. Die Anlage besitzt ein Gesamtgewicht von
800 kg.
 
(b) Kosten:
 
12 Terrarien: 1.800 €
Technik: 700 €
Anfahrtkosten 100 €
Unterbau: 500 €
 ________________________
Summe: 3.100 € 
 
Die Kosten für die Arbeitszeit sind hier nicht berücksichtigt, denn alles wurde ja in Eigenleistung erbracht und gefertigt.
 
Diesen Bericht widme ich meinem Mann und meinem Vater, die mir dieses Prachtstück von Terrarienanlage ermöglicht haben. Vielen herzlichen Dank!
 
Dieser Bericht wurde am 27. Juni 2009 online gestellt