In der Ausgabe 3/2008 (1. August 2008) der Zeitschrift Schildkröten-Im-Fokus berichtet ein holländisches Autorenteam über den Zeckenbefall von maurischen Landschildkröten der Unterart Testudo graeca ibera auf der griechischen Insel Kos [Lit. 1]. Die Verfasser hatten insgesamt 120 adulte und zwei juvenile Schildkröten (letztere mit einem Stockmaß von 11-12 cm) an jeweils vorher definierten Bereichen des Carapax und des Plastrons untersucht. Insgesamt ergab ihre Zählung 1.147 Zecken, was einem mittleren Befall von 9 bis 10 Zecken je Tier ergibt. Interessant an dem Ergebnis ist, dass junge Schildkröten deutlich weniger Zecken haben als adulte. Bei den ausgewachsenen Landschildkröten konzentrierte sich der Befall primär auf die hintere Hälfte des Plastrons, und zwar auf die beiden Hinterbeine und die Hüftschilde, während auf dem Carapax kaum Zecken zu sehen waren. Im Durchschnitt wiesen die untersuchten Schildkröten im hinteren Plastron-Bereich 7 bis 8 Zecken auf.

 

Zeckenklein

Zeckenbefall am rechten Hinterbein einer hier auf dem Rücken liegenden 2,6 kg schweren weiblichen Testudo graeca ibera im natürlichen Verbreitungsgebiet. Zuvor war ich dem Tier unbemerkt fast sechs Stunden lang (!) durch das Terrain gefolgt und habe seine Aktivitäten genau protokolliert. Dies schloss Temperatur- und UVB-Messungen ebenso ein wie das abschließende Vermessen und Wiegen; auch der ausgeschiedene Kot wurde gewogen. Foto von Horst Köhler.

Das stimmt zumindest qualitativ mit meinen eigenen neuen Beobachtungen von Anfang Juni 2008 in einem südtürkischen Biotop von Testudo graeca ibera gut überein. Auch ich stellte fest, dass die (wenigen von mir aufgefundenen) Jungtiere nie mehr als von zwei Zecken befallen waren (etliche hatten keine einzige Zecke) und dass bei den ausgewachsenen Exemplaren die Masse der Zecken an den Hinterbeinen und hinter den Inguinalschilden sitzen. Doch, wie obiges Foto zeigt, fand ich Tiere mit einem erheblich massiveren Zeckenbefall als es die Autoren in ihrer Arbeit berichten. Betrachtet man das Bild genauer, kann man allein an der Außenseite des rechten hinteren Beines 12 Zecken ausmachen; insgesamt hatte dieses Tier auf Carapax und Plastron über 40 Zecken. Schade, dass die holländischen Autoren nicht angegeben haben, wie viele Zecken das am stärksten befallene von ihnen untersuchte Tier aufwies.

Horst Köhler (25. Juli 2008)

 

Literatur:
[1] Bruekers Jaco, Uijtterschout Guus und Brouwer Arthur (2008): Ektoparasiten (Zecken) an Testudo graeca ibera auf der Insel Kos. Griechenland. Schildkröten-Im-Fokus, 5. Jahrgang, Heft 3

Die auf dem nur schwer erreichbaren Aldabra-Atoll im Indischen Ozean lebende große Kolonie von Aldabra-Riesenschildkröten (Dipsochelys dussumieri) und kleinere, auf anderen Inseln im Indischen Ozean versprengt existierende Herden dieser Art waren in den letzten Monaten zwei Mal Thema in deutschen Terraristik- bzw. Schildkrötenzeitschriften. So berichtete Horst Köhler in der MARGINATA Nr. 17 (März bis Mai 2008) über seinen Besuch auf der zu Tansania gehörenden Insel Changuu Island, auf der zurzeit rund 100 Aldabra-Riesenschildkröten leben.

An dieser Stelle sei jedoch kurz auf das äußerst eindrucksvolle Gruppenverhalten von Dipsochelys dussumieri auf deren eigentlichen Ursprungsinsel, dem politisch zu den Seychellen gehörenden unwirtlichen Albabra-Atoll, eingegangen. Bernhard Devaux hat es in seiner kürzlichen Veröffentlichung in Reptilia Nr. 69 ausführlich und anschaulich beschrieben. Die Tiere schlafen an der Küste des Indischen Ozeans. Wenn gegen 6 Uhr morgens die Sonne aufgeht, grasen die Schildkröten zunächst etwas und setzen sich dann wie auf ein Signal hin gemeinsam in Richtung Norden zu den dortigen Schattenbäumen in Bewegung. Dieser Marsch erfolgt im vollkommenen Gleichklang und mit gleicher Geschwindigkeit. Alle bewegen sich in der gleichen Richtung. Wenn die Sonne dann mittags ihren Höchststand erreicht hat, sind auch die Bäume erreicht, die die Tiere vor zu starker Aufheizung bzw. Austrocknung schützen. Dort verbringen sie die heißesten Stunden des Tages. Wenn dann gegen 16.30 Uhr die Temperaturen etwas zurückgehen, beginnt wie auf ein weiteres heimliches Signal hin die gleiche Wanderung wieder zur Küste zurück. Die Bewegung der vielen Tiere scheint synchronisiert: praktisch keine Schildkröte schlägt einen anderen Weg ein als der jeweilige Nachbar oder schreitet schneller oder langsamer voran als dieser. Wenn unterwegs von der spärlichen Vegetation gegrast oder aus kleinen Pfützen oder temporären Tümpeln in örtlichen Vertiefungen der Korallenfelsbänke getrunken wird, dann machen alle Tiere einen kurzen Halt. Gemeinsam ist dann gegen 19 Uhr die Küste und damit der Schlafplatz für die Nacht erreicht. Am anderen Morgen wiederholt sich der gemeinsame Marsch – welch einzigartiges Verhalten.

 

Quelle:
Devaux Bernhard: Die Aldabra-Riesenschildkröte, Dipsochelys dussumieri. Reptilia, Nr. 69, Februar/März 2008

Horst Köhler (27. April 2008)

Mit drei Hauptbeiträgen über die in der Sahelzone in Afrika beheimateten Spornschildkröten (Geochelone bzw. Centrochelys sulcata) ist die Ausgabe Nr. 16 von MARGINATA (Dezember 2007 bis Februar 2008) Schwerpunktsheft über diese imposanten Landschildkröten. Mit bis zu 85 cm Länge ist die Art die drittgrößte Landschildkröte. Damit ist klar, dass eine Pflege dieser Tiere entsprechend große Flächen benötigt. Im Gegensatz etwa zu den europäischen Landschildkröten neigen Spornschildkröten zum Anlegen langer Gänge und großer Höhlen. Außerdem fressen sie viel, bis zu 1 kg täglich je ausgewachsenes Tier. All dies sollte man wissen, bevor man sich derartige Schildkröten zulegt.

Im natürlichen Verbreitungsraum ist Geochelone sulcata nicht mehr allzu stark vertreten, ganz im Gegensatz zur Situation bei den Nachzuchten der Zoos und der privaten Pfleger. Die Art wird bei guter Pflege etwas früher geschlechtsreif als beispielsweise europäische Landschildkröten und vermehrt sich fast "von selbst", wobei die Weibchen bis zu 25 Eier pro Gelege absetzen können. Mitunter ist allerdings die Schlupfrate nicht sehr hoch: so produzierten die drei Weibchen des Zoologischen Gartens Pilsen in einem einzigen Jahr (2000) insgesamt 168 Eier; die durchschnittliche Schlupfrate lag bei 70 %.
Da die Züchter naturgemäß ihre Nachzuchten nicht selbst behalten können, ergibt sich oft ein Problem dadurch, dass die an Privatpersonen verkauften Jungtiere nach einigen Jahren für das vorhandene Freigehege zu groß geworden sind. Die Zahl der Abnehmer mit den entsprechenden Großgehegen ist jedoch hierzulande begrenzt. Schon seit einiger Zeit sind viele Spornschildkröten-Züchter deshalb dazu übergegangen, Eier ihrer Tiere nur noch dann zu zeitigen, wenn sie Vorbestellungen von Kunden mit entsprechend großen Freianlagen haben.

Interessant an dem MARGINATA-Beitrag über die Zucht der Spornschildkröte im Zoologischen Garten Pilsen in Tschechien ist unter anderem, dass der dortigen Zuchtgruppe von immerhin sechs geschlechtsreifen Tieren ein Innenterrarium von 16 qm Fläche und nur ein etwa gleich großes Außengehege zur Verfügung steht. Dies erinnert mich an die Aussage einer sehr erfahrenen Schildkrötenzüchterin in der Gegend von Augsburg, der das zuständige Veterinäramt den Bau einer Spornschildkröten-Zuchtanlage "aus Platzgründen" untersagte, obwohl die geplante Anlage erheblich größer als die in Pilsen gewesen wäre.

Quelle: MARGINATA, Nr. 16, Dezember, Januar und Februar 2007/2008, Jahrgang 4(3), S.10-30

Horst Köhler (17. Dezember 2007)

in chronologischer Reihenfolge

2011: Feuchtigkeitsmessungen im Mikrohabitat der Maurischen Landschildkröte in der Südtürkei. SACALIA, 9. Jahrgang, Heft 33, November, S. 18-24 

2011: Vorsicht beim Einsatz ultra-starker UV-Strahler. Schildkröten-Im-Fokus 8 (3), S. 13-16

2010:  Temperatuur- en UVB-metingen aan Europese landschildpadden. TRIONYX, Jahrgang 8, Nr. 1, Januar/Februar 2010, S.11-19

2009: Temperatur- und UVB-Messungen an europäischen Landschildkröten im natürlichen Mikrohabitat. MINOR - Infobrief der DGHT-AG Schildkröten, 8. Jahrgang, Heft 3, August 2009, S.20-30

2009:
Landschildkröten - Vom Schlüpfling zum robusten Jungtier. Fell & Pfote, ff-Verlag Lage/Lippe, Ausgabe 08, 3. Quartal 2009

2009:
Europäische Landschildkröten im Biotop: Zur Umsetzung der natürlichen Lebensweise in der Pflegepraxis. Website des Schildkröten-Stammtisches Rhein-Main, 19.3.2009

2009:
Über Bewegungsradius und Ruhepausen wild lebender maurischer Landschildkröten. Schildkröten- Im-Fokus, 6 (1), S.29-34

2008: Standorttreue von Landschildkröten im natürlichen Lebensraum: wild lebende Landschildkröte nach zwei Jahren wiedergefunden. SACALIA, 6. Jahrgang, Heft 21

November 2008: Aufzucht europäischer Landschildkröten-Babys: vom Ei zum robusten Jungtier. Fachbuch im Schildi-Verlag Horst Köhler, Augsburg, 180 Seiten, ca. 135 Farbfotos, ca. 20 Tabellen, ISBN 978-3-00-023839-0

2008:
Der Aldabra-Riesenschildkrötenpark Tansanias: Besuch der afrikanischen Insel Changuu im Indischen Ozean. Marginata, Nr. 17, März - Mai 2008, S. 50-55

2007: Betrachtungen zu Gewichten von Testudo graeca ibera aus der Südwest-Türkei. Schildkröten-Im-Fokus, 4 (3), S. 11-19

2006: Testudo graeca: The Mediterranean Spur-Thighed Tortoise On The Turkish Riviera. Englischspachige Ausgabe von Reptilia, Februar, S. 52-58

2004: Maurische Landschildkröten an der Türkischen Riviera. Reptilia, 9 (1), S.64-71

2002: Sanfte Riesen mit tragischer Geschichte. Mitteilungen der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt, Ausgabe 1, S. 17-20

2001: Rettung der Riesenschildkröten auf Galapagos. Reptilia, Nr. 31, Oktober/November, S.67-73

2001:
Im Bestand immer noch gefährdet: die Riesenschildkröten von Galapagos. Das Aquarium, Nr. 386, August, S.56-62

Stand: 1/2012